Selenskyj: Ukraine hat russische Frühjahrsoffensive vereitelt und 434 Quadratkilometer zurückerobert
Die Ukraine erlangte die Kontrolle über 434 Quadratkilometer Territorium zurück. Zudem wurde eine neue Offensive der russischen Besatzungstruppen vereitelt.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben Russlands geplante Frühjahrsoffensive im Keim erstickt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bei einem CNN-Interview, die ukrainischen Streitkräfte hätten nicht nur rund 434 Quadratkilometer besetztes Territorium zurückerobert, sondern gleichzeitig die russischen Angriffspläne aktiv durchkreuzt. Die unternommenen Schritte seien „sehr erfolgreich" gewesen.
Gezielte Gegenoffensive statt passiver Verteidigung
Selenskyj beschrieb eine bewusste strategische Entscheidung: Als Russland Ende 2025 begann, eine groß angelegte Offensive für das Frühjahr 2026 vorzubereiten, entschied sich die ukrainische Führung gegen eine rein defensive Haltung. Stattdessen leiteten die Streitkräfte parallele Gegenoperationen ein – mit dem klaren Ziel, Russland gar nicht erst in die Lage zu versetzen, massiert auf dem Schlachtfeld anzugreifen.
Diese Taktik, dem Gegner die Initiative zu entreißen, bevor er selbst angreift, trägt nach Selenskyjs Worten Früchte: Die zurückeroberten 434 Quadratkilometer – hauptsächlich im südlichen Frontabschnitt – sind das greifbare Ergebnis dieser Strategie. Der Präsident hatte bereits in den vergangenen Tagen Zahlen zwischen 400 und 435 Quadratkilometern genannt; das CNN-Interview liefert nun die präziseste Angabe.
Drohnen zermürben russische Truppen
Einen wesentlichen Anteil an den ukrainischen Erfolgen schreibt Selenskyj dem massiven Drohneneinsatz zu. Nach seinen Angaben verliert Russland inzwischen monatlich 30.000 bis 35.000 Soldaten – ein erheblicher Teil davon durch den ukrainischen Drohneneinsatz unmittelbar an der Front. Diese Verlustrate hat die russische Armee unter erheblichen personellen und logistischen Druck gesetzt und ihre Fähigkeit, koordinierte Großoffensiven durchzuführen, spürbar geschwächt.
Der ukrainische Drohneneinsatz hat sich in den vergangenen Monaten zu einem der entscheidenden Faktoren des Krieges entwickelt. Während Russland mit einer Vielzahl eigener Drohnenangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur zielt, nutzt die Ukraine Drohnen vorrangig taktisch – zur Bekämpfung gegnerischer Truppen, Fahrzeuge, Logistikketten und Kommandoposten direkt an der Front.
Lage bleibt angespannt
Trotz der gemeldeten Erfolge ist die Gesamtlage an der Front weiterhin ernst. Das ukrainische Analyseportal DeepState meldet für den gleichen Zeitraum russische Geländegewinne in den Oblasten Luhansk, Charkiw und Saporischschja – insbesondere im Raum Kupjansk, wo russische Kräfte im Bereich der Ortschaft Pischane Fortschritte erzielt haben sollen. Im Donezker Gebiet versuchen russische Truppen unterdessen, die Ortschaft Hryschyne vollständig unter Kontrolle zu bringen. Auch die Lage rund um die Pokrowsk-Myrnohrader Agglomeration bleibt nach Angaben ukrainischer Militärs angespannt.
Das Bild ist damit zweigeteilt: Die Ukraine kann im Süden auf echte operative Erfolge verweisen, steht im Osten und Nordosten jedoch weiterhin unter erheblichem russischen Druck. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die vereitelten russischen Angriffspläne dauerhaft neutralisiert sind oder lediglich verzögert wurden.