Selenskyj: „Russland wartet nur auf den Moment“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in seiner abendlichen Videoansprache die Bevölkerung eindringlich vor einem unmittelbar bevorstehenden massiven russischen Luftangriff gewarnt.

Selenskyj: „Russland wartet nur auf den Moment“
Foto: Ukrainisches Präsidialamt

Nach Erkenntnissen der ukrainischen Aufklärung hat Russland einen großen Angriff vorbereitet und wartet gezielt auf den passenden Zeitpunkt, um ihn auszuführen.

„In diesen Tagen müssen wir weiterhin sehr aufmerksam sein – Russland hat sich auf einen Angriff vorbereitet, einen massiven Angriff, und wartet auf den Moment, um diesen Schlag auszuführen“, sagte Selenskyj wörtlich. Er rief die Bürgerinnen und Bürger auf, Luftalarme ernst zu nehmen, einander zu helfen und besonders vulnerable Menschen – etwa ältere Personen, die allein leben – nicht im Stich zu lassen.

Die Warnung erfolgt vor dem Hintergrund einer anhaltenden russischen Kampagne gegen die ukrainische Energieinfrastruktur. Seit Wochen und Monaten setzen die russischen Streitkräfte kombinierte Drohnen- und Raketenangriffe ein, die gezielt Stromnetze, Umspannwerke und Kraftwerke treffen. Die Folge sind wiederholte Blackouts, massive Einschränkungen der Wärmeversorgung und enorme Belastungen für die Zivilbevölkerung – gerade jetzt, da die Temperaturen in vielen Regionen weit unter null Grad liegen.

Selenskyj kündigte in seiner Ansprache zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten der Energiewirtschaft an. Gemeinsam mit Premierministerin Julija Swyrydenko habe man vereinbart, dass die Regierung noch in dieser Woche zusätzliche monatliche Zahlungen für die Reparatur- und Einsatzkräfte beschließen werde. „Der Staat muss jedem und jeder dankbar sein, der garantiert, dass die Ukraine wiederherstellt, was die Russen zerstören“, betonte der Präsident.

Parallel dazu laufen Modernisierungsmaßnahmen bei der Luftabwehr: Das Kommando der Luftstreitkräfte arbeitet zusammen mit dem Verteidigungsministerium daran, das System zur Bekämpfung von Shahed-Kamikazedrohnen weiter zu verbessern – eine Reaktion auf die anhaltend hohe Drohnenbedrohung und die schwere Schädenlage im Energiesektor.

Die aktuelle Warnung reiht sich in eine Serie ähnlicher Aussagen Selenskyjs in den vergangenen Tagen ein. Bereits Mitte Januar hatte er mehrfach vor bevorstehenden Großangriffen gewarnt, die Russland nutzen wolle, um die Kälte als „Waffe“ einzusetzen und den Druck auf die ukrainische Gesellschaft zu maximieren.

Während die ukrainischen Luftverteidigungskräfte in den letzten Wochen Hunderte Drohnen und zahlreiche Raketen abfangen konnten, gelingen den Angreifern immer wieder Durchbrüche mit schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung und die kritische Infrastruktur. Internationale Partner haben weitere Luftabwehrsysteme und Raketen zugesagt – die Umsetzung dieser Lieferungen bleibt jedoch ein zentraler Faktor in der aktuellen Lage.

Die ukrainische Führung appelliert an die Bevölkerung, wachsam zu bleiben, und an die internationale Gemeinschaft, die Unterstützung nicht zu verringern. Die nächsten Stunden und Tage könnten – nach Einschätzung Kyjiws – entscheidend werden.