Selenskyj ordnet Vorbereitung eines Treffens mit Putin in Genf an – Durchbruch bei Territorialfragen nur im direkten Gespräch möglich

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Verhandlungsdelegation angewiesen, ein persönliches Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Genf zu organisieren.

Selenskyj ordnet Vorbereitung eines Treffens mit Putin in Genf an – Durchbruch bei Territorialfragen nur im direkten Gespräch möglich
Foto: Präsidialamt der Ukraine

Dies teilte Selenskyj in einem ausführlichen Interview mit dem US-Nachrichtenportal Axios mit, das am Dienstagabend veröffentlicht wurde.

Selenskyj betonte, ein direkter Austausch von Angesicht zu Angesicht sei der beste und möglicherweise einzige Weg, um bei den festgefahrenen Territorialverhandlungen einen Durchbruch zu erzielen. „Der beste Weg, um einen Durchbruch in der Territorialfrage zu erreichen, ist ein persönliches Treffen mit Putin“, erklärte der ukrainische Staatschef. Er habe sein Team daher beauftragt, die Möglichkeit eines solchen Leaders-Treffens in Genf während der laufenden Verhandlungen anzusprechen.

Die Aussage fällt genau in die laufende dritte Runde der trilateralen Friedensgespräche zwischen Ukraine, Russland und den USA, die am 17. und 18. Februar in Genf stattfinden. Während die militärischen Arbeitsgruppen Fortschritte bei einem möglichen Waffenstillstands-Monitoring (u. a. mit US-Drohnen) erzielten, steckten die politischen Gespräche fest – vor allem wegen der harten russischen Haltung zum Donbass.

Kein einseitiger Verzicht auf Donbass – Referendum als Hürde

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Kontrolle über den Donbass, von dem etwa 10 Prozent noch in ukrainischer Hand sind. Die USA haben vorgeschlagen, ukrainische Truppen aus diesen Gebieten abzuziehen und sie zu einer demilitarisierten „Freien Wirtschaftszone“ zu machen, ohne sofortige Klärung der Souveränitätsfrage. Selenskyj lehnt jedoch jeden einseitigen Souveränitätsverzicht kategorisch ab und fordert einen symmetrischen Truppenabzug beider Seiten.

„Emotionally, people will never forgive this. Never. They will not forgive… me, they will not forgive [the U.S.]“, warnte Selenskyj wörtlich. Die Ukrainer würden ein solches Abkommen in einem geplanten Referendum ablehnen: „Das ist Teil unseres Landes, all diese Bürger, die Flagge, das Land.“ Ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie im Donbass könnte hingegen mehrheitsfähig sein, so der Präsident.

Skepsis gegenüber Russland und US-Druck

Selenskyj zeigte sich deutlich pessimistischer als die US-Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner, die ihm signalisiert hatten, Russland wolle den Krieg wirklich beenden. Der neue russische Chefunterhändler Wladimir Medinski werde die Gespräche lediglich in die Länge ziehen und mit „historischen Wurzeln“ philosophieren – „We don't have time for all this shit. So we have to decide, and have to finish the war“, sagte Selenskyj deutlich.

Gleichzeitig kritisierte er öffentliche Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der wiederholt betont hatte, die Ukraine müsse Zugeständnisse machen. „Es ist nicht fair, dass Trump ständig nur die Ukraine unter Druck setzt und nicht Russland“, so Selenskyj. Hinter den Kulissen herrsche jedoch Respekt: „Wir respektieren uns gegenseitig.“

Die Genfer Gespräche sind die dritte Runde direkter Verhandlungen seit den Treffen in Abu Dhabi. Ein früherer Vorschlag Russlands, nur einen eintägigen Waffenstillstand für eine Volksabstimmung zu gewähren, wurde von Kyjiw als unzureichend abgelehnt. Selenskyj fordert mindestens 60 Tage Vorbereitungszeit für ein Referendum.

Ob das von ihm angestrebte Treffen mit Putin tatsächlich zustande kommt, bleibt offen. Russland hatte in der Vergangenheit ein solches Treffen nur in Moskau für möglich gehalten und Sicherheitsgarantien angeboten.

Die Verhandlungen in Genf sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Beobachter sehen im Vorschlag Selenskyjs einen Versuch, die Blockade auf höchster Ebene zu lösen – zugleich aber auch eine klare rote Linie gegenüber einseitigen territorialen Zugeständnissen.