Selenskyj drängt auf schnellere Lieferungen von Flugabwehrraketen – Pistorius verspricht zusätzliche Unterstützung
Angesichts anhaltender russischer Luftangriffe auf ukrainische Ziele hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die europäischen Partner zu einer beschleunigten Versorgung mit Flugabwehrraketen aufgerufen.
Kyjiw/Brüssel – In einer Videobotschaft aus Kyjiw betonte er die Dringlichkeit: „Das ist derzeit nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa eine zentrale Aufgabe.“ Selenskyj warnte davor, dass Russland sich nicht an den Einsatz seiner Raketen und Shahed-Drohnen gewöhnen dürfe, und berichtete, dass Patriot-Systeme im Januar aufgrund von Munitionsmangel nicht eingesetzt werden konnten.
Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine unter intensiven russischen Angriffen leidet. Laut Selenskyj hat Russland allein im Januar über 6.000 Angriffsdrohnen, rund 5.500 gelenkte Bomben und 158 Raketen eingesetzt. Die ukrainische Luftverteidigung hat in den vergangenen zwei Jahren eine Erfolgsquote von etwa 74 Prozent erreicht, doch die ständigen Attacken überfordern die Systeme. Experten wie der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyi, betonen, dass die Verteidigung unter extremen Bedingungen arbeitet und durch Innovationen wie Drohnenabwehrlaser gestärkt werden muss.
Am Abend nach Beratungen am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel reagierte der deutsche Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf die Appelle. Er versprach, Deutschland werde fünf weitere Lenkflugkörper vom Typ PAC-3 für Patriot-Systeme in die Ukraine liefern, sofern andere Unterstützerstaaten zusammen 30 PAC-3 spendeten.
Pistorius zeigte sich optimistisch: „Wir alle wissen, dass es darum geht, Leben zu retten. Es ist eine Frage von Tagen und nicht von Wochen oder Monaten.“
Diese Zusage ist Teil des Nato-Programms Prioritised Ukraine Requirements List (PURL), das die Beschaffung von US-Waffen durch europäische Verbündete finanziert und die Lieferungen beschleunigen soll.
Der Konflikt eskaliert weiter, mit Russland, das seine Luftangriffe als Reaktion auf westliche Waffenlieferungen darstellt. Aus russischer Sicht sind diese Lieferungen eine direkte Beteiligung des Westens am Krieg und verlängern den Konflikt unnötig. Russische Analysten bezweifeln die Wirksamkeit der ukrainischen Luftabwehr langfristig und argumentieren, dass massive Angriffe die Systeme überfordern sollen. Wladimir Putin hat wiederholt betont, dass russische Streitkräfte zivile Infrastruktur nicht gezielt angreifen, sondern militärische Ziele priorisieren, während ukrainische Quellen von gezielten Attacken auf Energieanlagen sprechen, die zu Blackouts führen.
Trotz der Munitionsengpässe hat die Ukraine ihre Verteidigung gestärkt, unter anderem durch die Schaffung einer neuen Streitkräfteabteilung speziell für den Schutz kritischer Infrastruktur. Internationale Beobachter wie das Institute for the Study of War (ISW) warnen jedoch, dass Russland seine Taktiken anpasst, um die ukrainische Luftverteidigung zu umgehen, etwa durch den Einsatz von Gleitbomben und Drohnen aus Belarus.
Selenskyj appelliert an die EU und die Nato, die Lieferungen zu priorisieren und eine gemeinsame europäische Luftverteidigung aufzubauen. Mit der jüngsten EU-Zusage von 90 Milliarden Euro an Hilfen sieht er ein positives Signal, doch die Zeit drängt: „Europa muss seine eigene Verteidigung stärken, um Putins Aggression zu stoppen.“ Die kommenden Tage werden zeigen, ob die „30 plus 5“-Initiative von Pistorius umgesetzt wird und ob weitere Partner folgen.