Selenskyj attackiert IOC: Olympische Bewegung soll Kriege beenden – statt dem russischen Aggressor zu huldigen
Inmitten der laufenden Winter-Olympischen Spiele in Italien hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj scharfe Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geübt.
Kyjiw/Mailand – Anlass ist die Disqualifikation des ukrainischen Skeleton-Fahrers Wladyslaw Heraskewytsch, der einen Helm mit Porträts getöteter ukrainischer Sportler trug. Selenskyj wirft dem IOC vor, die Prinzipien des Olympismus zu verraten, indem es den Aggressor Russland schont, während es ukrainische Athleten für eine Geste der Erinnerung bestraft.
Der Vorfall ereignete sich kurz vor Heraskewytschs erstem Lauf bei den Spielen. Sein Helm, verziert mit Schwarz-Weiß-Porträts verstorbener Sportler, die im russischen Angriffskrieg ums Leben kamen, sollte ein stilles Mahnmal sein. Doch das IOC sah darin einen Verstoß gegen die Regeln und disqualifizierte den Athleten. Selenskyj reagierte prompt und betonte in einer offiziellen Erklärung: „Der olympische Bewegung sollte helfen, Kriege zu stoppen, und nicht dem Aggressor nachgeben.“
Selenskyj lobte Heraskewytsch für seinen Mut und nannte den Helm „ein Symbol für Ehre und Erinnerung – eine Mahnung an die Welt, was russische Aggression bedeutet und welchen Preis der Kampf um Unabhängigkeit kostet. Und hier gibt es keinen Regelverstoß.“
Der Präsident erinnerte an die wiederholten Verletzungen olympischer Prinzipien durch Russland. „Das ist Russland, das ständig olympische Grundsätze verletzt und die Olympischen Zeiten für Krieg nutzt“, sagte Selenskyj.
Er listete auf: Den Krieg gegen Georgien 2008, die Besetzung der Krim 2014, die großangelegte Invasion in der Ukraine 2022 und nun, 2026, trotz Aufrufen zu einem Waffenstillstand während der Spiele, eine Eskalation mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Energieinfrastruktur und Zivilisten. Trotzdem dürfen 13 russische Athleten unter neutraler Flagge antreten – viele von ihnen unterstützen öffentlich die Aggression und die Besetzung ukrainischer Gebiete. „Genau sie verdienen die Disqualifikation“, forderte Selenskyj.
Die Tragödie der ukrainischen Sportler ist besonders bitter: Seit Beginn des vollumfänglichen Kriegs wurden 660 Athleten und Trainer getötet, Hunderte können nie mehr an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Selenskyj unterstrich: „Wir sind stolz auf Wladyslaw und seine Tat. Mut zu haben ist mehr als Medaillen zu gewinnen.“
Die Entscheidung des IOC widerspreche den Grundsätzen des Olympismus, die auf Gerechtigkeit und Friedensförderung beruhen.
Die Reaktionen in der Sportwelt sind gemischt, aber Heraskewytsch erhält Unterstützung: Die ukrainische Monobank kündigte an, ihm eine Prämie von einer Million Griwna (UAH) für seine Haltung zu zahlen. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Debatte um Politik im Sport – besonders vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts. Während die Spiele in Italien weitergehen, bleibt die Frage offen: Kann der Olympismus wirklich für Frieden stehen, wenn er Gedenken bestraft und Aggressoren duldet?
Dieser Skandal könnte langfristige Konsequenzen haben, nicht nur für die Ukraine, sondern für die Glaubwürdigkeit des IOC. Experten fordern eine Überprüfung der Neutralitätsregeln, um sicherzustellen, dass Athleten, die Krieg unterstützen, ausgeschlossen werden. In einer Zeit, in der Sport mehr denn je als Plattform für globale Botschaften dient, hat Heraskewytschs Helm – disqualifiziert oder nicht – bereits eine bleibende Spur hinterlassen.