Russlands fehlender Beistand: Warum Moskau den Iran nach den US-israelischen Angriffen im Stich lässt

Nach dem Tod des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei bei gemeinsamen US-israelischen Luftangriffen am 28. Februar offenbaren sich die deutlichen Grenzen der russisch-iranischen Partnerschaft.

Russlands fehlender Beistand: Warum Moskau den Iran nach den US-israelischen Angriffen im Stich lässt

Während US-Präsident Donald Trump offen einen Regimewechsel in Teheran fordert, beschränkt sich Moskaus Reaktion bislang lediglich auf diplomatische Unterstützung. Dieser fehlende militärische Beistand versetzt dem Image Russlands als verlässlicher Verbündeter einen schweren Schlag.

Eine transaktionale Beziehung am Limit

Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten verdeutlichen die zunehmend asymmetrische Rolle des Iran in seiner Partnerschaft mit Russland. „Ich sehe nicht wirklich, dass Russland dem Iran zu Hilfe eilt“, erklärte Olli Ruohomaki, Nahost-Experte am Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten, gegenüber dem Kyiv Independent und beschreibt die Beziehung als primär „transaktional“. Da Moskau tief in den Krieg in der Ukraine verstrickt ist, fehlen schlicht die Ressourcen, um an mehreren Fronten zu kämpfen.

Obwohl die beiden stark sanktionierten Nationen ihre militärische Zusammenarbeit seit Beginn des Ukraine-Krieges intensiviert haben – der Iran lieferte unter anderem Shahed-Drohnen und Raketen, während er russische Kampfhubschrauber und Luftabwehrsysteme bestellte –, hat Moskaus Unterstützung klare Grenzen. Ein Verteidigungsbündnis besteht nicht. Bereits während des zwölftägigen Krieges zwischen dem Iran und Israel im Juni 2025 sowie bei US-Angriffen auf iranische Atomanlagen blieb Russland Beobachter.

Handlanger bei der Unterdrückung von Protesten

Weitaus präsenter ist Russland als Partner für die innere Sicherheit des iranischen Regimes. Experten zufolge profitiert Teheran vor allem von Moskaus Know-how zur Unterdrückung innenpolitischer Proteste. Bei der blutigen Niederschlagung regierungskritischer Demonstrationen im vergangenen Winter, bei denen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen mindestens 7.000 Menschen starben, trugen Taktiken wie totale Internet-Blackouts und das Stören von GPS-Signalen die deutliche Handschrift russischer Cyber- und Kriegsführung.

Wirtschaftliche Symbiose und eine „Schattenflotte“

Trotz der militärischen Zurückhaltung arbeiten beide Staaten auf wirtschaftlicher Ebene eng zusammen, um westliche Sanktionen zu umgehen. Mit einer riesigen „Schattenflotte“ sichern sie sich den Export ihres Öls. Erst im Januar dieses Jahres unterzeichneten der russische Präsident Wladimir Putin und sein iranischer Amtskollege Masud Peseschkian ein weitreichendes strategisches Partnerschaftsabkommen. Ein zentraler Bestandteil ist der Ausbau der Energie-Infrastruktur: Der russische Staatskonzern Rosatom plant den Bau von acht kleineren Atomkraftwerken im Iran.

Strategisches Kalkül im Kreml

Dass sich Putin nun mit lautstarker Unterstützung für den Iran zurückhält, hat strategische Gründe. Laut Richard Betts, emeritierter Professor für Kriegs- und Friedensstudien an der Columbia University, vermeidet Putin ein stärkeres Eingreifen bewusst, um US-Präsident Trump nicht zu verärgern. Trump strebt derzeit an, ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln.

Darüber hinaus profitiert Russland durchaus von der internationalen Isolation Teherans. Eine Annäherung des energiereichen Irans an den Westen wäre ein „Todesstoß für Moskaus Einfluss auf Europa“, betont Arash Beidollahkhani, Experte für Nahost-Politik. Ohne Sanktionen könnte der Iran Russland schnell als primären Energielieferanten für den europäischen Markt ersetzen.

Im Iran selbst wächst indes die Skepsis. Viele Regime-Eliten stehen einer weiteren Vertiefung der Beziehungen zu Moskau misstrauisch gegenüber. Gleichzeitig betrachtet die Opposition die theokratische Führung zunehmend als bloße Marionette Pekings und Moskaus – ein Umstand, der Russlands Ansehen in der iranischen Bevölkerung nachhaltig schädigen dürfte.