Russland stahl 2025 über 2 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine
Im Schatten des andauernden Krieges hat Russland laut ukrainischen Angaben im vergangenen Jahr Getreide in industriellem Ausmaß von den besetzten ukrainischen Gebieten entwendet.
Kyjiw/Moskau – Wie der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha berichtet, beläuft sich die Menge des gestohlenen Getreides allein für das Jahr 2025 auf über 2 Millionen Tonnen.
Hauptabnehmer und Schattenflotten
Ein erheblicher Teil dieser illegalen Exporte landete auf internationalen Märkten. Den Angaben zufolge gingen fast 40 Prozent des gestohlenen Getreides nach Ägypten. Doch auch andere Länder in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und sogar in Europa sollen zu den Empfängern gehören.
Um diese Geschäfte abzuwickeln, nutzt Russland Berichten zufolge eine komplexe Logistik, die Häfen im Asowschen und Schwarzen Meer einbezieht. Besonders brisant ist der Einsatz einer sogenannten "Schatten-Getreideflotte". Der ukrainische Geheimdienst hat laut Außenminister Sybiha bereits 45 Schiffe identifiziert, die in den Diebstahl und Transport involviert sind. Gegen 43 dieser Schiffe sowie 39 Kapitäne wurden bereits Sanktionen verhängt.
Forderung nach härteren Sanktionen
Außenminister Sybiha kündigte an, dass beteiligte Unternehmen die Konsequenzen durch ukrainische Sanktionen und juristische Schritte spüren werden. Gleichzeitig appellierte er eindringlich an die europäischen Partner, eigene Sanktionen nicht nur gegen die russische Infrastruktur, sondern auch gezielt gegen die Käufer des gestohlenen Getreides zu verhängen.
„Wir haben bereits Erfahrung im Kampf gegen Russlands Schatten-Tankerflotte. Jetzt ist es an der Zeit, auch die Ausweitung der russischen Schatten-Getreideflotte zu stoppen“, betonte Sybiha. Er erklärte das Jahr 2026 zum Zieljahr für die Befreiung des Schwarzen, Asowschen und Baltischen Meeres von diesen illegalen Flotten.
Systematische Ausbeutung der besetzten Gebiete
Der Bericht hebt hervor, dass es sich nicht um isolierte Vorfälle handelt, sondern um eine systematische Ausbeutung der besetzten Territorien. Neben Getreide sind auch Ölsaaten betroffen. Durch die Besetzung fruchtbarer Anbaugebiete für Sonnenblumen droht Russland mittlerweile, die Ukraine beim Volumen der Sonnenblumenölproduktion zu überholen – ein Markt, auf dem die Ukraine traditionell weltweit führend war. Auch über besetzte ukrainische Häfen wie Berdjansk versuchen die Besatzer, Exportrouten für die gestohlenen Waren zu etablieren.