Russland lieferte dem Iran Satellitendaten über Israels Energieinfrastruktur
Der ukrainische Präsident wirft Russland vor, den Iran mit Satellitenaufklärungsdaten über bis zu 53 israelische Energieobjekte zu versorgen – und zieht damit eine direkte Linie vom Krieg gegen die Ukraine zum Nahostkonflikt.
Russland hat dem Iran Satellitenaufklärungsdaten über das israelische Energienetz zur Verfügung gestellt, um Angriffe auf zivile Infrastruktur zu ermöglichen. Das erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Demnach handelt es sich um Informationen zu rund 50 bis 53 Objekten der zivilen Infrastruktur ohne jeden militärischen Bezug.
„Russland hat dem Iran Satellitenaufklärungsdaten über das Energiesystem Israels übermittelt – insgesamt zu rund 50 bis 53 Objekten. Sie helfen dem Iran, Angriffe durchzuführen. Es handelt sich dabei um zivile Infrastruktur ohne jegliche militärische Zweckbestimmung", erklärte Selenskyj.
Der ukrainische Präsident zog dabei eine direkte Parallele zur eigenen Kriegserfahrung: Was Israel jetzt erlebe, erinnere ihn an das, was die Ukraine seit Jahren durchmache. Wenn Russland Israels Energienetz anvisiere – über den Iran –, dann sei das dasselbe Muster wie bei den russischen Angriffen auf ukrainische Strom- und Wasserversorgungsanlagen. „Der gesamte Erfahrungsschatz, den Russland im Krieg gegen die Ukraine gesammelt hat, wird an den Iran weitergegeben", betonte Selenskyj.
Als konkretes Beispiel nannte er die Schahed-Drohnen: Es handle sich um dieselben Drohnen, die auch Russland einsetze – nur unter anderem Namen und in weiterentwickelten Versionen. Dass Russland seine Drohnentechnologie und -taktiken mit dem Iran geteilt hat und seinerseits von Iran-Drohnen profitierte, ist seit Langem bekannt. Selenskyjs Aussage fügt dieser bekannten Zusammenarbeit nun eine neue, brisante Dimension hinzu: Russland unterstützt demnach aktiv iranische Angriffe auf die Energieinfrastruktur eines Drittstaates, indem es Satellitenaufklärung teilt – Kapazitäten, die Moskau aus seinem Krieg gegen die Ukraine kennt und in der Ukraine erprobt hat.
Selenskyj hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass russische Satelliten militärische Anlagen der USA und anderer Länder in der Nahost-Region fotografieren. Die neue Aussage über die Weitergabe dieser Daten an Teheran verleiht diesem Vorwurf jedoch eine deutlich konkretere und schwerwiegendere Qualität.
Die Enthüllung fällt in eine Phase, in der der Iran und die USA sowie Israel in einem offenen militärischen Konflikt stehen. Israelische Energieanlagen stehen dabei verstärkt im Fokus iranischer Angriffe. Sollte sich Selenskyjs Angabe bestätigen, würde das bedeuten, dass Russland nicht nur passiver Verbündeter des Iran ist, sondern aktiv an der operativen Kriegsführung gegen Israel beteiligt – über die Lieferung von Aufklärungsdaten für zivile Ziele.