Russland greift erneut Saporischschja an - Massive Stromausfälle

Der Energiekrieg gegen die Ukraine geht in eine neue, brutale Runde. Nach einem gezielten russischen Angriff ist die Stadt Wilnjansk in der Region Saporischschja komplett vom Stromnetz getrennt.

Russland greift erneut Saporischschja an - Massive Stromausfälle
Tim Rüßmann / Unsplash

Saporischschja/Kyjiw – Es war ein weiterer Abend, an dem die Sirenen nicht schwiegen. Russische Truppen haben erneut die kritische Infrastruktur im Süden der Ukraine ins Visier genommen. Das Ziel diesmal: Der Bezirk Saporischschja und speziell die Stadt Wilnjansk.

​Wie Iwan Fedorow, der Leiter der regionalen Militärverwaltung, bestätigte, führte der Beschuss zu einem sofortigen Blackout in der gesamten Stadt.

​Das Dröhnen der Generatoren

​„Wilnjansk ist stromlos“, meldete Fedorow kurz nach dem Angriff auf Telegram. Doch hinter dieser knappen Nachricht verbirgt sich ein dramatischer Kampf gegen die Kälte und das Chaos. Ein Feuer sei an einem der getroffenen Infrastrukturobjekte ausgebrochen, die Feuerwehr sei im Großeinsatz.

​Für die Tausenden Bewohner der Stadt bedeutet dies: Kein Licht, keine elektrischen Heizungen, keine normale Wasserversorgung – und das mitten im tiefsten Winter.

​Doch die Stadt war vorbereitet. Unmittelbar nach dem Einschlag sprangen die Notfallsysteme an.

  • Wärmeversorgung: Die Heizkraftwerke wurden sofort auf Generatoren umgeschaltet, um das Einfrieren der Leitungen und Wohnungen zu verhindern.
  • Wasser: Auch die zentrale Wasserversorgung läuft derzeit über Backup-Systeme.
  • Krankenhäuser: Die kritische medizinische Versorgung wird durch autonome Stromquellen aufrechterhalten.

​„Alle Dienste arbeiten auf Hochtouren“, versicherte Fedorow. Das Ziel sei es, die Versorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen.

​Eine systematische Taktik der Zermürbung

​Der Angriff auf Wilnjansk ist kein Einzelfall, sondern Teil einer erkennbaren Strategie der russischen Kriegsführung in diesem Januar 2026. Bereits in den Tagen zuvor (am 8. und 13. Januar) meldeten Behörden massive Angriffe auf das Energienetz der Region, die zehntausende Menschen zeitweise im Dunkeln ließen.

​Experten sehen darin den Versuch Moskaus, die Moral der Bevölkerung durch Kälte und Dunkelheit zu brechen, indem man gezielt Umspannwerke und Verteilerknotenpunkte zerstört, die für die Versorgung kleinerer Städte essenziell sind. Wilnjansk, nur wenige Kilometer nordöstlich der Regionalhauptstadt Saporischschja gelegen, ist aufgrund seiner Lage ein häufiges Ziel.

​Was das für die Menschen bedeutet

​Während die Techniker unter Lebensgefahr versuchen, die Leitungen zu reparieren, wird das Leben in Wilnjansk auf das Nötigste reduziert. Das Geräusch von Dieselgeneratoren ist zum Soundtrack der Stadt geworden.

​Der Angriff zeigt erneut die Verwundbarkeit der ukrainischen Energieinfrastruktur, aber auch die enorme Resilienz der lokalen Kommunen, die gelernt haben, innerhalb von Minuten auf den „Inselbetrieb“ umzuschalten, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.