Russischer Beschuss auf Energieanlagen: Slawutytsch die Stadt ohne Strom
In der Nacht zum 5. Januar 2026 haben russische Truppen erneut die Energieinfrastruktur in mehreren ukrainischen Regionen angegriffen – mit Drohnen und Raketen.
Besonders schwer getroffen wurde die Stadt Slawutytsch in der Kyjiwer Oblast: Der gesamte Ort mit rund 25.000 Einwohnern und fast 8.500 Haushalten ist vollständig vom Stromnetz getrennt. Laut dem ukrainischen Energieministerium herrscht dort derzeit die schlimmste Versorgungslage im Land.
Slawutytsch ist keine gewöhnliche Stadt. Sie wurde Ende der 1980er Jahre als moderne Wohnsiedlung für die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Tschernobyl gebaut und liegt in der Kyjiwer Oblast, unweit der belarussischen Grenze. Viele Bewohner arbeiten noch heute in der Sperrzone oder haben eine direkte Verbindung zur Geschichte der Katastrophe von 1986. Diese Lage macht die Stadt besonders verwundbar.
Die nächtlichen Angriffe trafen Energieanlagen in mehreren Regionen, darunter auch ein Generierungsobjekt in der Donezker Oblast. Slawutytsch wurde am härtesten betroffen: Ein kompletter Blackout. Während in Oblasten wie Charkiw, Donezk oder Tschernihiw nur Teile der Verbraucher ohne Strom sind, sitzt hier die gesamte Stadt im Dunkeln. Reparaturarbeiten laufen, werden jedoch durch die Nähe zur Front stark behindert.
Die russischen Attacken auf die ukrainische Energieinfrastruktur folgen seit Beginn dieses Winters einem systematischen Muster: Bestimmte Objekte werden wiederholt angegriffen, bis sie endgültig zerstört sind. Das Ziel ist offensichtlich, große Teile des Landes langfristig von der Versorgung abzuschneiden.
Für die Menschen in Slavutich bedeutet der Stromausfall in der Januar-Kälte eine enorme Belastung: Heizungen, Wasserpumpen und Beleuchtung fallen aus. Viele greifen auf private Generatoren, Kerzen oder offene Feuer zurück. Die Stadt, die bereits die Schließung des Kernkraftwerks im Jahr 2000 und die kurzzeitige russische Besatzung 2022 überstanden hat, zeigt erneut eine beeindruckende Widerstandskraft.
Während die Ukraine Stromimporte aus Europa hochfährt und in den meisten Regionen planmäßige Abschaltungen einführt, bleiben frontnahe Gebiete wie Slawutytsch besonders prekär. Die aktuelle Lage unterstreicht einmal mehr, wie hart dieser Winter für das Land wird – und wie entschlossen die Menschen trotz allem weitermachen.