Russischer Angriff auf Entbindungsheim in Saporischschja: Mindestens sechs Verletzte

Russische Streitkräfte haben am Sonntag das Entbindungsheim in der südukrainischen Stadt Saporischschja angegriffen.

Russischer Angriff auf Entbindungsheim in Saporischschja: Mindestens sechs Verletzte
Foto: Leiter der regionalen Militärverwaltung Saporischschja

Mindestens sechs Menschen wurden verletzt, darunter zwei Frauen, die sich zum Zeitpunkt des Einschlags gerade in der Untersuchung befanden. Das teilte die Regionale Militärverwaltung Saporischschja mit und veröffentlichte Aufnahmen, die ein schwer beschädigtes Gebäude mit zerborstenen Fenstern und aufsteigendem Rauch zeigen.

Der Gouverneur der Region, Iwan Fedorow, reagierte mit scharfen Worten: „Der Angriff auf das Entbindungsheim ist ein weiterer Beweis dafür, dass hier ein Krieg gegen das Leben geführt wird.“ Er unterstrich damit die zynische Dimension des Angriffs auf eine Einrichtung, die für die Geburt und das Überleben von Kindern steht.

Aus Kyjiw kam umgehend scharfe Kritik. Präsident Wolodymyr Selenskyj, der in den vergangenen Jahren wiederholt russische Angriffe auf zivile Infrastruktur als Kriegsverbrechen verurteilt hat, ließ mitteilen, dass solche Taten die Verhandlungen über einen Waffenstillstand zusätzlich belasten. Selenskyj betonte in einer kurzen Stellungnahme: „Russland zeigt erneut, dass es keinen Frieden will – es greift gezielt das Leben und die Zukunft unseres Volkes an.“ Die ukrainische Führung in Kyjiw forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf Moskau zu verstärken.

Der Vorfall reiht sich in eine lange Serie ähnlicher Angriffe ein. Bereits 2022 hatte Russland ein Entbindungsheim im Bezirk Wilnjansk der Oblast Saporischschja bombardiert – ein damals zwei Tage alter Junge kam dabei ums Leben. Seit Beginn der großangelegten Invasion zielen russische Truppen immer wieder auf Krankenhäuser, Schulen und andere zivile Objekte, was von Menschenrechtsorganisationen und der UNO als systematische Verletzung des humanitären Völkerrechts eingestuft wird.

Der Angriff erfolgt zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt: Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, dass Russlands Präsident Wladimir Putin einer einwöchigen Aussetzung von Angriffen auf ukrainische Städte zugestimmt habe. Moskau schränkte dies jedoch sofort ein – die „Pause“ gelte nur für Kyjiw und ende bereits am 1. Februar. Stattdessen intensiviert Russland seine Offensive im Süden, wo Saporischschja seit Monaten unter Dauerbeschuss steht.

In Kyjiw wird der Vorfall als direkte Provokation gewertet. Während die ukrainische Energieinfrastruktur weiterhin unter massiven Schäden leidet und der Wintereinbruch bevorsteht, unterstreicht der Schlag gegen das Entbindungsheim die humanitäre Katastrophe des Krieges. Für viele Ukrainer ist es ein weiteres Symbol dafür, dass Russlands Kriegsführung nicht nur Territorium, sondern bewusst das Leben der Zivilbevölkerung trifft.Ob der Angriff die laufenden Friedensgespräche zwischen Ukraine, USA und Russland endgültig zum Scheitern bringt, bleibt abzuwarten. In Saporischschja und Kyjiw herrscht jedoch bittere Entschlossenheit: Solange solche Angriffe andauern, gibt es für die Ukraine keinen Weg zurück an den Verhandlungstisch – ohne echte Sicherheitsgarantien.