Russische Spionagesatelliten fangen Daten von Schlüssel-Satelliten Europas ab
Europäische Sicherheitsbehörden warnen vor einer erheblichen Bedrohung aus dem Weltraum: Zwei russische Satelliten haben in den vergangenen Jahren die Kommunikation von mindestens einem Dutzend wichtiger europäischer Satelliten abgefangen.
Die russischen Raumfahrzeuge Luch-1 und Luch-2 führten riskante Annäherungsmanöver durch und positionierten sich wochenlang in unmittelbarer Nähe geostationärer Satelliten über Europa.
Die Satelliten Luch-1 und Luch-2 sind auf elektronische Aufklärung (SIGINT) spezialisiert. Sie manövrieren gezielt in den schmalen Datenstrahl zwischen Bodenstationen und den betroffenen Satelliten, um Signale abzufangen. Besonders kritisch ist, dass viele ältere europäische Satelliten ihre Steuerbefehle unverschlüsselt senden – eine Schwachstelle, die aus der Startzeit vor Einführung moderner Verschlüsselungstechnik resultiert. Dadurch könnten abgefangene Daten genutzt werden, um falsche Kommandos einzuspielen, Satellitenbahnen zu verändern, sie aus der Position zu drängen oder sogar zum Absturz zu bringen.
Seit dem Start von Luch-2 im Jahr 2023 hat dieses Objekt 17 europäische Satelliten angeflogen, darunter solche, die für zivile Anwendungen wie Satellitenfernsehen, aber auch für sensible Regierungs- und teilweise militärische Kommunikation genutzt werden. Betroffen sind vor allem Satelliten über Europa, Großbritannien, Teilen Afrikas und des Nahen Ostens – einschließlich Objekte großer kommerzieller Betreiber.
Die Annäherungen haben in den letzten drei Jahren deutlich zugenommen – parallel zur Eskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Experten werten dies als Erweiterung russischer Hybridkriegsführung in den Weltraum, vergleichbar mit Sabotageakten an Unterseekabeln. Die Luch-Satelliten können Satelliten zwar nicht direkt stören oder zerstören, liefern aber entscheidende Daten, um solche Angriffe von Bodenstationen oder anderen Orbitalwaffen aus zu koordinieren.
Luch-1 scheint mittlerweile außer Gefecht: Ende Januar wurde eine Gaswolke und anschließende Fragmentierung beobachtet; das Objekt taumelt nun unkontrolliert. Russland hat jedoch neue manövrierfähige Satelliten wie Cosmos 2589 und 2590 gestartet und schickt weitere Objekte in Richtung geostationärer Umlaufbahn.
Der Vorfall unterstreicht die wachsende Verwundbarkeit der europäischen Satelliteninfrastruktur. Experten fordern dringend mehr Investitionen in moderne Verschlüsselung, redundante Systeme und eine stärkere eigene Weltraumüberwachung.
Beispiele russischer und europäischer Satelliten (Illustrationen zur Verdeutlichung der Orbitalpositionen und Manöver)
Russischer Luch-Satellit (Beobachtung nach möglicher Fragmentierung)
Europäische geostationäre Satelliten (Beispiele von SES Astra und Eutelsat)
Die Entwicklung reiht sich ein in eine Serie aggressiver russischer Weltraumaktivitäten, die westliche Beobachter mit großer Sorge betrachten.