Putin kündigt Osterfeuerpause an – Selenskyj skeptisch
Russland hat für das orthodoxe Osterwochenende eine Feuerpause angekündigt – doch in Kyjiw überwiegt die Skepsis: Noch während Putin die Waffenruhe verkündete, flogen russische Drohnen über der Ukraine.
In einer überraschenden Wendung hat der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstagabend eine „Osterfeuerpause" für den Krieg in der Ukraine angekündigt. Sie soll am Samstag, dem 11. April, um 16:00 Uhr Moskauer Zeit beginnen und den gesamten Ostersonntag, den 12. April, andauern – dem Tag, an dem orthodoxe Christen in Russland und der Ukraine das Auferstehungsfest begehen. Die Ankündigung kam vom Kreml, der gleichzeitig Verteidigungsminister Andrej Beloussow und Generalstabschef Waleri Gerassimow anwies, für diesen Zeitraum alle Kampfhandlungen an sämtlichen Frontabschnitten einzustellen.
Ein Angebot mit Bedingung
Die Waffenruhe knüpfte der Kreml jedoch sofort an eine Bedingung: Die Truppen sollen bereit bleiben, mögliche Provokationen der Gegenseite zu unterbinden und auf jede aggressive Handlung der Ukraine zu reagieren. Man gehe davon aus, heißt es in der Kremlerklärung, dass die ukrainische Seite dem russischen Beispiel folgen werde. Das russische Verteidigungsministerium machte deutlich, dass die Feuerpause nur unter der Voraussetzung eingehalten werde, dass sich auch die ukrainischen Streitkräfte daran hielten.
Der Zeitpunkt der Ankündigung war bemerkenswert: Nur wenige Tage zuvor hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow noch erklärt, Russland plane keine Osterfeuerpause. Zugleich hatte Peskow Selenskyjs bereits am 31. März beim Treffen der EU-Außenminister in Kyjiw vorgebrachten Vorschlag einer Waffenruhe über Ostern als unzureichend konkretisiert abgetan und darauf beharrt, Moskau strebe eine grundsätzliche Friedenslösung und keinen befristeten Waffenstillstand an.
Selensky: skeptisch, dann Gegenvorschlag
In Kyjiw stieß die Ankündigung zunächst auf scharfe Skepsis. Präsident Wolodymyr Selenskyj verwies auf aktive russische Luftangriffe, die im Moment der Kreml-Erklärung liefen. Rund 45 Minuten vor dem geplanten Inkrafttreten der Feuerpause wurden russische Kampfdrohnen über der Ukraine gesichtet. Selenskyj kommentierte die Situation mit den Worten, Shahed-Drohnen am ukrainischen Himmel enthüllten Putins wahre Einstellung zu Ostern und zu Menschenleben. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha betonte, man werde die Taten beobachten, nicht die Worte.
Am Abend schwenkte Selenskyj dann auf einen pragmatischen Kurs um und unterbreitete seinerseits einen Gegenvorschlag: Falls die Feuerpause tatsächlich vollständig eingehalten werde, schlage die Ukraine eine Verlängerung um 30 Tage vor. Gleichzeitig machte er die ukrainische Haltung klar: Schweigen gegen Schweigen, Abwehrschläge als Antwort auf Angriffe. Den Worten aus Moskau, so Selenskyj, könne man nicht vertrauen.
Beobachter warnen vor bekanntem Muster
Westliche Beobachter reagierten verhalten bis kritisch. Der Ukraine-Experte Nico Lange warnte, man kenne Putins Drehbuch: Eine große Osterfeuerpause ankündigen, dann die Ukraine beschuldigen, sie habe provoziert oder die Waffenruhe gebrochen. Tatsächlich hatte sich dieses Muster bereits in der Vergangenheit wiederholt – frühere Feuerpausen erwiesen sich als äußerst fragil; beide Seiten bezichtigten sich gegenseitig, die vereinbarten Kampfpausen nicht einzuhalten, und nutzten die Unterbrechungen zur Neuformierung ihrer Kräfte.
Hinzu kommt der geopolitische Kontext: Moskau hält weiterhin an der Forderung fest, ukrainische Streitkräfte sollten sich aus den noch nicht besetzten Teilen des Donbas zurückziehen – andernfalls würden sich die Bedingungen laut Selenskyj nach einer Frist von zwei Monaten verschärfen. Diese Maximalforderung lehnt Kyjiw kategorisch ab. Beobachter gehen davon aus, dass Putin mit der Osterfeuerpause auch innenpolitisch punkten will – und bei US-Präsident Donald Trump, der zuletzt Kompromissbereitschaft beider Seiten eingefordert hatte, als friedenswillige Partei erscheinen möchte.