Portugiesischer Drohnenboom: Wie der Ukraine-Krieg eine Industrie verändert hat

Ein kleines Land an der Westspitze Europas hat sich still und leise zu einem bedeutenden Akteur im globalen Drohnenmarkt entwickelt – angetrieben durch den Krieg in der Ukraine.

Portugiesischer Drohnenboom: Wie der Ukraine-Krieg eine Industrie verändert hat
Foto: Mylo Kaye / Unsplash

Lissabon – Die portugiesischen Drohnenexporte in die Ukraine sind seit Beginn der russischen Vollinvasion rasant gestiegen. Die Exporterlöse beliefen sich 2022 auf 4 Millionen Euro, stiegen 2023 auf 23 Millionen und erreichten 2024 bereits 33 Millionen Euro. Im Jahr 2025 beschleunigte sich das Wachstum nochmals dramatisch – auf 87,3 Millionen Euro.

Das hat das Gefüge von Portugals Handelsbeziehungen grundlegend verändert. Die Ukraine stieg zwischen 2019 und 2025 von Rang 75 auf Rang 36 der wichtigsten Exportdestinationen Portugals auf, während Russland im gleichen Zeitraum von Platz 34 auf Platz 50 abrutschte.

Tekever als Vorreiter

Der größte portugiesische Drohnenexporteur in die Ukraine ist das Unternehmen Tekever mit Sitz in Caldas da Rainha. Das Unternehmen produziert vor allem Aufklärungsdrohnen, die sich an der Front als äußerst wertvoll erwiesen haben.

Mehr als doppelt so viel wie Russland

Vor dem Krieg waren die portugiesischen Exporte in die Ukraine fünf- bis zehnmal geringer als die Verkäufe nach Russland. Bis 2023 und 2024 hatte sich diese Lücke auf rund 10 Prozent verringert – und 2025 überholte die Ukraine Russland schließlich mit dem Doppelten des Kaufvolumens. Insgesamt stiegen die ukrainischen Käufe aus Portugal um 110 Prozent.

Gemeinsame Produktion von Unterwasserdrohnen

Die Partnerschaft zwischen den beiden Ländern geht mittlerweile über reine Lieferverträge hinaus. Im Dezember 2025 reiste Portugals Premierminister Luís Montenegro nach Kyjiw und unterzeichnete gemeinsam mit Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Abkommen über die gemeinsame Produktion unbemannter Unterwasserfahrzeuge. Montenegro betonte dabei, dass beide Länder über Spitzentechnologie in diesem Bereich verfügten und voneinander profitieren könnten.

Auch finanziell engagiert sich Portugal stark. Verteidigungsminister Nuno Melo kündigte an, 10 Millionen Euro in eine britische Drohneninitiative für die Ukraine zu investieren – und merkte dabei an, dass diese Initiative stark auf der Produktion portugiesischer Drohnen basiere und daher gleichzeitig eine Investition in die nationale Verteidigungsindustrie darstelle.

Ein strategischer Wandel

Portugals Aufstieg im Drohnensegment ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Industriepolitik und einer engen Verzahnung von Militärbedarf und ziviler Technologie. Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur eine humanitäre Krise ausgelöst – er hat auch die Verteidigungslandschaft Europas neu geordnet und dabei unerwarteten Gewinnern eine Bühne bereitet.