Nutzt Trump Grönland, um die Ukraine vergessen zu lassen?
Ex-NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erhebt schwere Vorwürfe gegen Donald Trump. Er warnt: Während die Welt empört nach Grönland schaut, gerät die wahre Bedrohung durch Putin aus dem Blickfeld – und genau das könnte der Plan sein.
Kyjiw/London – Die diplomatischen Wogen schlagen hoch, nachdem Donald Trump erneut den Kauf Grönlands ins Spiel gebracht und dabei offenbar den Ton verschärft hat. Berichten zufolge soll Trump sogar angedeutet haben, militärischen Druck auf den NATO-Verbündeten Dänemark auszuüben, falls dieser einer US-Kontrolle über die Insel nicht zustimme. Für Anders Fogh Rasmussen, selbst ehemaliger dänischer Premierminister (2001–2009) und Ex-NATO-Generalsekretär, ist eine rote Linie überschritten.
Grönland als „Massenablenkungswaffe“
Rasmussen bezeichnete Trumps Vorstoß als strategisches Ablenkungsmanöver. Der US-Präsident nutze Grönland als „Waffe der Massenablenkung“, um den Fokus von den wahren geopolitischen Bedrohungen wegzulenken – insbesondere vom andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
„Es bereitet mir große Sorge, dass sich die Aufmerksamkeit der Welt nun auf etwas richtet, das weder für Europa noch für die USA eine Bedrohung darstellt – nämlich Grönland, einen befreundeten Verbündeten“, so Rasmussen. Stattdessen müsse der Fokus darauf liegen, wie man Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zwingen könne.
Scharfe Kritik: USA klingen wie die Gegner, die sie kontrollieren sollen
Besonders emotional äußerte sich der Däne über den Wandel der US-Rhetorik. Er sei mit dem Bild der USA als „natürlichem Anführer der freien Welt“ aufgewachsen und habe Washington stets als „Weltpolizisten“ betrachtet. Doch die aktuellen Töne aus dem Weißen Haus seien schockierend.
„Jetzt sehen wir, wie die USA eine Rhetorik verwenden, die derjenigen der ‚Banditen‘ aus Moskau und Peking sehr nahekommt – jener Leute, die sie eigentlich kontrollieren sollten“, sagte Rasmussen der Financial Times.
Die Gefahr für die NATO
Rasmussen warnte eindringlich davor, dass der Streit um die Arktis-Insel das westliche Bündnis nachhaltig beschädigen könnte. „Meinungsverschiedenheiten im Westen spielen Russland in die Hände“, betonte er. Moskau hoffe darauf, dass Grönland zu dem „Eisberg wird, der die NATO versenkt“. Sollte es tatsächlich zu einem erzwungenen Szenario um Grönland kommen, wäre dies laut Rasmussen „das Ende der Weltordnung, wie wir sie kennen“.
Ein Gegenvorschlag: Kooperation statt Zwang
Anstatt sich der Konfrontation zu beugen, rät Rasmussen der dänischen Regierung zu einer proaktiven Strategie. Er schlägt vor, Kopenhagen solle Trump drei konkrete Angebote machen, um die Wogen zu glätten und die strategische Partnerschaft zu sichern:
- Modernisierung des Verteidigungsabkommens von 1951: Dänemark solle anbieten, das bestehende Abkommen zu aktualisieren und zu klären, wo Washington und die NATO weitere Militärbasen auf der Insel errichten könnten. Aktuell betreiben die USA lediglich die Thule Air Base mit etwa 150 Soldaten, weit weniger als die 17 Standorte während des Kalten Krieges.
- Investitionsabkommen: Ein Deal, der amerikanisches Kapital für die Erschließung von Bodenschätzen in Grönland anzieht.
- Stabilitätsabkommen: Eine Vereinbarung, um den Einfluss von Russland und China in der Arktis explizit einzudämmen.
Während im Hintergrund bereits Berichte kursieren, dass deutsche Militärexperten nach Grönland gereist sind, um Möglichkeiten für gemeinsame Manöver mit Dänemark zu prüfen, bleibt die Lage angespannt. Die Preisschilder, die für einen hypothetischen Kauf der Insel kursieren – US-Experten schätzen die Kosten auf bis zu 700 Milliarden Dollar –, wirken in diesem geopolitischen Poker fast wie eine Nebensache.