NATO-Krise nach Iran-Krieg: Trump soll Rutte mit Beschimpfungen überhäuft haben
Ein geplanter Arbeitsbesuch von NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus ist nach Berichten von Politico zu einem beispiellosen Eklat geworden: Trump soll die europäischen Verbündeten in einer Tirade von Beleidigungen überhäuft haben.
Ein als Arbeitsbesuch geplantes Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus ist nach Angaben europäischer Regierungsvertreter zu einem der angespanntesten Momente in der jüngeren Geschichte des Bündnisses geworden. Wie Politico unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Quellen berichtet, nutzte Trump das Treffen, um seinem tiefen Unmut über die Haltung der europäischen Verbündeten im Konflikt mit dem Iran freien Lauf zu lassen.
Europäische Diplomaten schildern den Gesprächsverlauf als eine regelrechte Beschimpfungstirade. Trump soll den Verbündeten vorgeworfen haben, die amerikanisch-israelischen Militäraktionen gegen Teheran nicht hinreichend unterstützt zu haben. Dabei seien auch andeutungsweise Konsequenzen in den Raum gestellt worden, ohne dass konkrete Forderungen formuliert wurden. Das Weiße Haus wies entsprechende Berichte zurück und bestritt, dass Trump Ultimaten gestellt habe.
„Alles ist schiefgelaufen", zitiert Politico einen europäischen Beamten. „Das Gespräch war nichts anderes als eine Tirade von Beleidigungen. Trump drohte offenbar damit, alles Mögliche zu tun." Rutte selbst räumte ein, Trumps Enttäuschung gespürt zu haben, betonte aber, die Geschlossenheit des Bündnisses sei ungebrochen. In der offiziellen Sprachregelung des Bündnisses hieß es, der Austausch sei „offen, aber konstruktiv" gewesen.
Nach dem Treffen verschärfte Trump seinen Ton noch einmal öffentlich. In sozialen Netzwerken schrieb er, die NATO sei „nicht da gewesen, als man sie brauchte" – und ließ zugleich erneut das Thema Grönland anklingen, womit er die ohnehin angespannte Atmosphäre weiter belastete.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist der laufende US-geführte Militäreinsatz gegen den Iran, dem sich die europäischen NATO-Mitglieder bislang verweigert haben. Mehr als 40 Staaten sprechen sich stattdessen für eine Strategie aus Sanktionen und Diplomatie aus. Bundeskanzler Friedrich Merz appellierte an Washington, die Verhandlungen mit Teheran fortzusetzen, und signalisierte, Deutschland könne nach Ende der Kampfhandlungen zur Absicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus beitragen. Frankreich prüft seinerseits mögliche defensive Maßnahmen, lehnt aber eine direkte militärische Beteiligung ab.
Die Verstimmung im Bündnis hat auch strategische Dimensionen: Wie das Wall Street Journal berichtet, erwägt die Trump-Administration Strafmaßnahmen gegen jene NATO-Staaten, die aus Sicht Washingtons in der Iranfrage zu wenig Solidarität gezeigt haben. Welche Länder konkret betroffen sein könnten und welche Form eine solche „Bestrafung" annehmen würde, blieb bislang offen. Der Vorfall verdeutlicht, wie stark der Iran-Krieg das transatlantische Verhältnis belastet – zu einem Zeitpunkt, an dem die Allianz ohnehin mit internen Spannungen zu kämpfen hat.