Nächtlicher Angriff: Russland beschädigt Energieinfrastruktur und Leitung zum AKW Saporischschja
In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 2026 hat Russland erneut gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine angegriffen.
Betroffen waren vor allem die Regionen Mykolajiw (Nikolajew) und Cherson, wo Energieanlagen beschädigt wurden und Teile der Bevölkerung ohne Strom dastehen. Besonders alarmierend: Eine Hochspannungsleitung zum besetzten Atomkraftwerk Saporischschja (ZAES) wurde beschädigt – der zwölfte derartige Vorfall seit Beginn der großangelegten Invasion. Diese Angriffe sind Teil einer systematischen Strategie, die nicht nur Millionen Ukrainer im Kalten und Dunkeln lässt, sondern auch die nukleare Sicherheit Europas gefährdet.
Die nächtlichen Angriffe: Stromausfälle in Süd-ukrainischen Regionen
Laut dem ukrainischen Energieministerium wurden in der Nacht Energieobjekte in der Mykolajiw- und Cherson-Region attackiert. In Cherson trafen Treffer erneut die lokale Fernwärmezentrale (TEZ), was zu Ausfällen bei Verbrauchern führte. In Mykolajiw wurden Energieanlagen beschädigt, wodurch Teile der Bevölkerung stromlos blieben. Wiederherstellungsarbeiten laufen derweil in den Regionen Odessa und Kiew nach vorherigen Angriffen weiter. In frontnahen Gebieten ist die Situation besonders prekär: Dort sind Verbraucher oft seit Langem ohne Strom, und anhaltende Kämpfe erschweren Reparaturen.
Obwohl genaue Zahlen zu Drohnen oder Raketen in diesem Fall nicht genannt wurden, passen die Attacken in das Muster russischer Strategien: Mehrtägige, rund-um-die-Uhr-Beschüsse auf einzelne Unterstationen, um sie vollständig zu zerstören. Experten wie Sergei Pereversa sprechen von einer neuen Taktik, die auf maximale Zerstörung abzielt.
Das AKW Saporischschja: Ein wiederkehrendes Risiko
Der schwerwiegendste Aspekt des nächtlichen Angriffs ist die Beschädigung einer Hochspannungsleitung zum ZAES – Europas größtem Atomkraftwerk, das seit März 2022 von russischen Truppen besetzt ist. Das Ministerium betont, dass dies der zwölfte Blackout-Vorfall seit Kriegsbeginn ist, der letzte erst vor weniger als einem Monat. Das Kraftwerk benötigt externe Stromversorgung für Kühlung und Sicherheitssysteme, auch wenn es derzeit nicht produziert.
Ukrainische Behörden werfen Russland vor, gezielt die Infrastruktur zu zerstören und gleichzeitig eine Anbindung ans russische Netz zu testen – unter Kriegsbedingungen und Besatzung. Dies erhöht das Risiko eines nuklearen Unfalls erheblich. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) warnt seit Jahren vor der prekären Lage am ZAES: Mehrfache Unterbrechungen der Stromversorgung zwingen das Personal, auf Diesel-Generatoren umzuschalten, was nur eine Notlösung ist.
Der größere Kontext: Ein Winter unter Beschuss
Diese Angriffe sind kein Einzelfall. Russland hat die ukrainische Energieinfrastruktur seit Kriegsbeginn systematisch ins Visier genommen, um die Bevölkerung zu schwächen – besonders im Winter. Am 2. Januar verzeichnete die Ukraine einen Rekord an Stromimporten aus der EU, was die Netzstabilität verbessert und Ausfälle mildern könnte. Dennoch bleibt die Situation angespannt: In frontnahen Regionen wie Donezk, Charkiw oder Sumy herrschen permanente Blackouts.
Vitali Sajtschenko von Ukrenergo hob hervor, dass Importe helfen, Abschaltpläne zu verkürzen. Doch solange die Angriffe andauern, appellieren Behörden an die Bevölkerung, Strom zu sparen und aktuelle Abschaltpläne auf regionalen Websites zu prüfen.
Fazit: Terror mit langfristigen Folgen
Die nächtlichen Angriffe in der Nacht zum 3. Januar 2026 zeigen erneut, wie Russland Energie als Waffe einsetzt. Millionen Ukrainer leiden unter Kälte und Dunkelheit, während das Risiko eines nuklearen Vorfalls am ZAES wächst. Experten warnen: Ohne massive internationale Unterstützung – sei es durch Luftabwehrsysteme oder Sanktionen – wird dieser "energetische Terror" den Winter 2026 zu einer der härtesten Prüfungen für die Ukraine machen. Die Resilienz der Ukrainer ist bewundernswert, doch die Welt darf nicht wegsehen: Hier geht es nicht nur um Strom, sondern um Überleben und Sicherheit eines ganzen Kontinents.