Nächtliche Explosionen in Lwiw: Russischer Raketenangriff auf kritische Infrastruktur

In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar erschütterte eine Serie mächtiger Explosionen die westukrainische Stadt Lwiw.

Nächtliche Explosionen in Lwiw: Russischer Raketenangriff auf kritische Infrastruktur
Symbolfoto: Stephen Radford / Unsplash

Lwiw – Während einer landesweiten Luftalarmwarnung aufgrund einer ballistischen Bedrohung hörten Bewohner gegen 23:46 Uhr mehrere laute Detonationen. Der Angriff traf ein Objekt der kritischen Infrastruktur in der Region Lwiw – ein Treffer, der den anhaltenden russischen Krieg gegen die ukrainische Energieversorgung und Zivilbevölkerung unterstreicht.

Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadovy, bestätigte die Explosionen umgehend über Telegram: „Nach der Luftalarmwarnung waren in Lwiw eine Serie von Explosionen zu hören. Wir klären derzeit, was genau passiert ist und in welchem Bezirk.“ Kurz darauf meldete der Leiter der Militärverwaltung der Oblast Lwiw, Maksym Kosytskyj: „In der Lwiw-Region wurde ein Objekt der kritischen Infrastruktur angegriffen.“ Er warnte eindringlich vor weiteren Bedrohungen in der Nacht und rief die Bevölkerung auf, bei neuem Alarm sofort Schutzräume aufzusuchen.

Verdacht auf Einsatz der hyperschnellen „Oreschnik“-Rakete

Monitoring-Kanäle und lokale Berichte deuten darauf hin, dass Russland möglicherweise die ballistische Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ (auf Deutsch: Haselnuss) einsetzte – eine Waffe, die mit hypersonischer Geschwindigkeit fliegt und schwer abzufangen ist. Die Rakete soll aus dem Testgelände Kapustin Jar gestartet worden sein und legte die Strecke von rund 1.500 Kilometern in nur Minuten zurück. Inoffizielle Quellen sprechen von einem gezielten Schlag auf Gasinfrastruktur in der Nähe von Stryi, darunter ein unterirdisches Gasspeicherfeld. Videos aus der Region zeigen charakteristische helle Blitze und multiple Detonationen, die typisch für den Einsatz mehrerer Gefechtsköpfe sind. Offiziell bestätigt wurde der Waffentyp bislang nicht, doch die US-Botschaft in Kyjiw hatte bereits Tage zuvor vor einem massiven russischen Angriff gewarnt.

Bislang gibt es keine Berichte über Tote oder Verletzte direkt in Lwiw durch diesen Angriff. Allerdings entstand ein Brand am getroffenen Objekt, und die Explosionen waren so stark, dass sie in benachbarten Regionen wie Ternopil und Riwne zu spüren waren. Der Fokus auf kritische Infrastruktur – insbesondere Energieanlagen – passt zu Russlands Strategie, die Ukraine im Winter durch Strom- und Gasausfälle zu schwächen.

Eine Nacht voller Angriffe

Der Angriff auf Lwiw war Teil einer größeren russischen Offensive am 8. Januar. In Krywyj Rih starb eine 77-jährige Frau, mindestens 23 Menschen wurden verletzt, darunter sechs Kinder. In Cherson traf eine Rakete ein Café im Stadtzentrum und tötete drei Personen. Diese Angriffe unterstreichen die Brutalität des Krieges, der trotz internationaler Appelle anhält.

Lwiw, lange Zeit als relativ sicherer Zufluchtsort für Vertriebene aus dem Osten galt, wird zunehmend zur Zielscheibe. Die Stadt mit ihrer reichen Geschichte und Nähe zur EU-Grenze symbolisiert für viele die ukrainische Widerstandskraft – und genau das macht sie für russische Angriffe attraktiv.

Die ukrainische Luftverteidigung arbeitet unter Hochdruck, doch hyperschnelle Waffen wie die „Oreschnik“ stellen eine neue Herausforderung dar. Die Bevölkerung bleibt wachsam: Sirenen, Schutzräume und die ständige Ungewissheit prägen den Alltag.

Inmitten des Donners der Explosionen zeigt sich einmal mehr die Entschlossenheit der Ukrainer: „Wir gewöhnen uns nicht daran, wir kämpfen weiter“, lautet eine häufige Reaktion in sozialen Netzwerken. Die Nacht in Lwiw ist vorbei, doch die Bedrohung bleibt.