Myrnohrad fast vollständig gefallen – Russland verlegt Hauptquartiere in die Stadt
Die Front in der Region Donezk verschiebt sich weiter zu Ungunsten Kyjiws.
Neueste Berichte von der Frontlinie zeichnen ein düsteres Bild: Die Stadt Myrnohrad steht fast vollständig unter russischer Kontrolle. Doch die Besatzer rücken nicht nur vor – sie graben sich ein.
Was Militärbeobachter seit Wochen befürchteten, wird nun traurige Gewissheit. Wie die Ukrajinska Prawda unter Berufung auf Offiziere vor Ort berichtet, haben russische Truppen den Großteil von Myrnohrad eingenommen. Die Stadt, einst ein wichtiger Knotenpunkt westlich von Awdijiwka, wird nun in rasendem Tempo zu einem logistischen und militärischen Hub für die russische Armee umfunktioniert.
Wohngebiete werden zu Artilleriestellungen
Besonders alarmierend sind die Details über die Nutzung der städtischen Infrastruktur. Ein Offizier an der Front schilderte die Situation drastisch: „In den besetzten Teilen der Stadt haben sie bereits ihre Artillerie, Technik und Piloten stationiert – alles, was man sich vorstellen kann.“
Die russische Taktik ist zynisch, aber effektiv:
- Verlegung der Hauptquartiere: Führungsstäbe werden aus dem rückwärtigen Nowohrodiwka direkt nach Myrnohrad verlegt, um näher an der Front zu sein und die urbane Deckung zu nutzen.
- Einrichtung einer Kommandantur: Die Besatzungsmacht festigt ihre administrativen Strukturen mitten im Kampfgebiet.
- Menschliche Schutzschilde: Augenzeugen berichten, dass Zivilisten unter bewaffneter Eskorte mit ihren Habseligkeiten abtransportiert werden, während sich das Militär in den frei werdenden Gebäuden einrichtet.
Das letzte Gefecht am Bahndepot
Trotz der russischen Übermacht ist der Kampf um Myrnohrad noch nicht vollständig beendet. Im Norden der Stadt leisten ukrainische Einheiten erbitterten Widerstand. Das Zentrum der Gefechte liegt derzeit beim Eisenbahndepot und im Norden der benachbarten Siedlung Switle.
„Wir versuchen, sie nicht aus der Stadt herauszulassen“, so der Offizier. Doch die Bedingungen für die Verteidiger sind extrem schwierig. Die russische Luftüberlegenheit durch Drohnen und Flugzeuge macht jede Bewegung im nördlichen Sektor lebensgefährlich. Zudem liegen die Zufahrtswege bereits in der „grauen Zone“, was den Nachschub und mögliche Evakuierungen fast unmöglich macht.
Ein Rückzugsbefehl für die verbliebenen ukrainischen Verteidiger liegt laut Berichten noch nicht vor. Doch mit der Stationierung schwerer Artillerie und Führungsstäben direkt in der Stadt sendet Moskau ein klares Signal: Myrnohrad soll nicht nur erobert, sondern als Sprungbrett für die nächste Phase der Offensive – vermutlich Richtung Pokrovsk – genutzt werden.