Massiver russischer Angriff auf Energieinfrastruktur in Charkiw

In der Nacht zum Montag hat Russland einen der schwersten Angriffe auf die Energieversorgung der ukrainischen Millionenstadt Charkiw seit Kriegsbeginn geführt.

Massiver russischer Angriff auf Energieinfrastruktur in Charkiw
Symbolfoto: Ukrainische Militärverwaltung

Ballistische Raketen und Drohnen trafen gezielt kritische Infrastruktur, darunter eine der größten Wärmekraftwerke (ТЭЦ), die Hunderte von Wohngebäuden beheizt. Bürgermeister Ihor Terekhov sprach von einer „beispiellosen“ Attacke, die darauf abzielt, die Bevölkerung mitten im strengsten Winter ohne Heizung und Strom zu lassen.

Die Angriffe ereigneten sich in den frühen Morgenstunden des 3. Februar. Nach Angaben der Regionalverwaltung wurden mehrere Energieobjekte massiv beschädigt, was zu einem dramatischen Druckabfall in den Heizsystemen führte. Besonders betroffen ist eine ТЭЦ, die allein 820 Mehrfamilienhäuser mit Wärme versorgt. Um ein Einfrieren der Leitungen und damit irreparable Schäden zu verhindern, mussten die Behörden den Wärmeträger in diesen Gebäuden notfallmäßig ablassen – eine Maßnahme, die bei Außentemperaturen von bis zu minus 20 Grad für die Bewohner besonders hart ist.„

Um ein Einfrieren des Netzes zu verhindern, müssen wir den Wärmeträger im Heizsystem von 820 Häusern ablassen“, erklärte Bürgermeister Terekhov in einer emotionalen Videobotschaft. „Ich verstehe, wie schwierig das in minus zwanzig Grad ist. Aber der beispiellose Angriff des Feindes auf die kritische Infrastruktur lässt keine andere Wahl. Unsere Spezialisten sehen keinen anderen Ausweg.“ Er betonte, dass alle 101 „Punkte der Unbesiegbarkeit“ (Notunterkünfte mit Strom, Wärme und Internet) rund um die Uhr geöffnet bleiben und bei Bedarf weitere eingerichtet werden.

Der Chef der Regionalverwaltung, Oleh Syniehubov, bestätigte zwei Verletzte durch die Beschüsse: einen 27-jährigen und einen 58-jährigen Mann, die medizinische Hilfe erhielten. Todesopfer wurden bisher nicht gemeldet. Dennoch ist die Lage für Hunderttausende Bewohner prekär: Stromausfälle, Unterbrechungen im öffentlichen Nahverkehr (einschließlich Metro, Straßenbahnen und Vorortzügen) sowie der drohende Kollaps der Wasserversorgung in Teilen der Stadt verschärfen die humanitäre Krise.

Dieser Angriff markiert das Ende einer kurzen Phase relativer Ruhe bei Angriffen auf die Energieinfrastruktur. Erst am 1. Februar war ein informeller „energetischer Waffenstillstand“ ausgelaufen – zuvor waren Ausfälle hauptsächlich durch extremes Wetter (Eis an Leitungen) verursacht worden. Nun hat Russland wieder systematisch zugeschlagen, um maximale Zerstörung in der Kälteperiode zu erzielen.

Rettungskräfte und Energieversorger arbeiten unter Hochdruck an der Schadensbegrenzung. Experten warnen jedoch, dass die Reparaturen Tage oder Wochen dauern könnten. Die Stadtverwaltung rief die Bevölkerung auf, sich auf längere Ausfälle einzustellen, warme Kleidung bereitzuhalten und bei Bedarf die Notunterkünfte aufzusuchen. „Der Feind will uns brechen, indem er uns frieren lässt“, so Terekhov. „Aber wir halten durch – und wir werden wieder aufbauen.“

Die internationale Gemeinschaft ist aufgerufen, die Luftabwehr der Ukraine dringend zu verstärken, um solche gezielten Terrorangriffe auf Zivilisten künftig besser abwehren zu können.