​„Lukaschenkos Spitz hat mehr Rechte als das Volk“ – Selenskyj rechnet mit Minsk ab und warnt vor der „Oreshnik“-Erpressung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer scharfen Analyse die Rolle von Belarus im andauernden Angriffskrieg Russlands beleuchtet.

​„Lukaschenkos Spitz hat mehr Rechte als das Volk“ – Selenskyj rechnet mit Minsk ab und warnt vor der „Oreshnik“-Erpressung
Foto: president.gov.ua

Seine Warnung ist deutlich: Der Kreml hat seinen Nachbarn längst in eine Startrampe für globale Erpressungsversuche verwandelt – und setzt dabei auf sein neuestes Drohpotenzial, die „Oreshnik“-Raketen.

​In einer Zeit, in der die Frontlinien nicht nur auf dem Boden, sondern auch in der geopolitischen Strategie verlaufen, richtet Kyjiw den Blick nach Norden. Laut Präsident Selenskyj nutzt Russland das belarussische Territorium nicht mehr nur als logistischen Hinterhof, sondern aktiv als „Testgelände“, um Europa und die Welt mit den hyperschallfähigen „Oreshnik“-Raketen in Schach zu halten.

​Drohnen-Operateure und Industrie im Dienst des Kreml

​Doch die Bedrohung beschränkt sich nicht auf ballistische Raketen. Selenskyj enthüllte Details, die die direkte operative Verwicklung von Belarus unterstreichen: Russische Operateure steuern demnach die tödlichen „Shahed“-Drohnen, die ukrainische Städte terrorisieren, unter anderem direkt von belarussischem Boden aus. Auch die nötigen Kommunikationsverbindungen für diese Angriffe werden von dort aufrechterhalten.

​„Die belarussische Industrie arbeitet für den russischen Krieg“, betonte Selenskyj. Handelswege über Belarus würden Wladimir Putin zudem helfen, westliche Sanktionen zu umgehen und jene Komponenten zu beschaffen, die nötig sind, um die militärische Maschinerie gegen Europa weiter auszubauen.

​Bitterer Spott: „Mehr Rechte für den weißen Spitz“

​Neben den militärischen Fakten fand der ukrainische Präsident auch bittere Worte für den politischen Zustand des Nachbarlandes. Mit sarkastischer Schärfe bemerkte er, dass „Lukaschenkos weißem Spitz heute mehr Rechte eingeräumt werden als dem belarussischen Volk“.

​Selenskyj erinnerte an die massiven Proteste des Jahres 2020 – eine verpasste historische Chance. „Damals war die Unterstützung für die Belarussen einfach nicht ausreichend“, resümierte er. Die Konsequenz dieser Tatenlosigkeit spüre man heute: Die Abhängigkeit Minsks von Moskau sei nicht nur teurer, sondern für alle in Europa gefährlicher geworden. Diese Abhängigkeit, so warnte er, nehme nicht ab, sondern verfestige sich täglich.

​Ein Appell an Europa

​Für Selenskyj ist die Situation in Belarus ein warnendes Beispiel dafür, dass Europa keine Zeit verlieren darf. „Es ist kritisch wichtig, kein Volk zu verlieren, das in Freiheit leben will“, mahnte er.

​Gleichzeitig erteilte er diplomatischen Schnellschüssen eine Absage. Bezugnehmend auf den von US-Kreisen vorgeschlagenen „Friedensrat“ stellte Selenskyj klar: Eine Teilnahme der Ukraine an einem solchen Gremium sei erst nach Kriegsende denkbar. „Mit Russland sind wir derzeit Feinde. Belarus ist ein Verbündeter Russlands. Wir können nicht gemeinsam mit ihnen an einem Tisch sitzen, solange der Krieg tobt.“

​Die Aussagen verdeutlichen, dass Belarus in den Augen Kyjiws längst kein neutraler Akteur oder bloßer Zuschauer mehr ist, sondern ein integrierter Bestandteil der russischen Kriegsmaschinerie – und eine direkte Bedrohung für die europäische Sicherheitsarchitektur.