Lehrstunde für die NATO: Ukrainisches Team versenkt Fregatte bei Marinemanöver

Was ukrainische Soldaten im Krieg gegen Russland gelernt haben, versetzt die NATO in Staunen: Bei Marinemanövern vor Portugal schlug ein ukrainisch geführtes Team die Seestreitkräfte des Bündnisses in allen fünf Szenarien – und versenkte dabei simuliert eine NATO-Fregatte.

Lehrstunde für die NATO: Ukrainisches Team versenkt Fregatte bei Marinemanöver
Foto: mod.gov.ua

Bei NATO-Marineübungen vor der Küste Portugals hat ein von ukrainischen Offizieren geführtes internationales Team die Seestreitkräfte des Bündnisses in allen fünf Übungsszenarien besiegt und dabei simuliert ein Schiff vom Typ Fregatte versenkt. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf einen ukrainischen Teilnehmer der Übung.

Bei den Manövern „REPMUS/Dynamic Messenger 2025" trat das ukrainisch geführte Team als simulierter Gegner an – die sogenannte „rote" Mannschaft – und setzte dabei ukrainische Marinedrohnen vom Typ Magura V7 ein, kleine unbemannte Schnellboote, die mit Waffen ausgestattet sind und Ziele auf dem Wasser angreifen können. Die „blaue" Seite, also die NATO-Seestreitkräfte, unterlag in allen fünf Szenarien, in denen der Schutz von Häfen und Konvois sowie Angriffe auf feindliche Konvoys geübt wurden.

Der Ablauf des entscheidenden Moments offenbarte eine beunruhigende Schwäche: Als die rote Mannschaft den Angriff auf einen Konvoy simulierte, häufte sie so viele Treffer auf der feindlichen Fregatte an, dass das Schiff in einem echten Gefecht längst gesunken wäre – während die blaue Seite noch ahnungslos im gemeinsamen Funknetz fragte, ob der Angriff überhaupt beginnen werde. Ein ukrainischer Teilnehmer brachte es auf den Punkt: Das Problem sei nicht gewesen, dass die NATO-Seite die Angreifer nicht stoppen konnte – sie habe sie schlicht nicht einmal gesehen.

Den Übungsregeln zufolge wurden feindliche Schiffe nicht real beschossen. Als Nachweis eines Treffers genügte es, das gegnerische Fahrzeug zuerst ins Visier zu nehmen – dokumentiert auf Video. Beide Seiten setzten neben Drohnen auch Flugzeuge und große Kriegsschiffe ein.

Die Nachrichtenlage ist für die NATO ernüchternd: Die Übungen hätten laut dem Bericht klar gezeigt, dass unbemannte Systeme in Kombination mit operativer Erfahrung und bewährter Einsatzplanung eine reale Bedrohung für Marineverbände darstellen – vor allem deshalb, weil das Bündnis auf Angriffe mit solchen Waffen noch nicht gut genug vorbereitet sei.

Einen NATO-Sprecher zufolge führte die ukrainische Marine damit erstmals in der Geschichte des Bündnisses die gegnerische Seite bei einem NATO-Manöver an – ein Vorgang, den das Bündnis als historischen Meilenstein und Beleg der wachsenden Rolle der Ukraine in NATO-Übungen wertete.

Der Erfolg kommt nicht aus dem Nichts. Seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 hat die Ukraine ohne eigene große Kriegsschiffe mit Marinedrohnen, Raketen und anderen Waffensystemen die russische Schwarzmeerflotte aus dem westlichen Teil des Schwarzen Meeres verdrängt. Im April 2022 versenkten ukrainische Streitkräfte den Raketenkreuzer Moskwa, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte. Daraufhin verlegte Russland seinen Marinestützpunkt von Sewastopol auf der besetzten Krim in das weiter östlich gelegene Noworossijsk – wo im Dezember 2025 eine ukrainische Unterwasserdrohne ein russisches U-Boot attackierte.

Schon 2025 hatte die Ukraine bei NATO-Übungen in Estland für Aufsehen gesorgt, als ukrainische Kräfte im Rahmen des Manövers Hedgehog eine britische Brigade und eine estnische Division in einem simulierten Szenario vernichteten. Militärexperten erklären diese Erfolge damit, dass ukrainische Soldaten über einzigartigen Kampferfahrung aus einem hochintensiven modernen Krieg verfügen, den keine Ausbildung an einer Militärakademie ersetzen kann.