„Lego-Drohnen" gegen russische Panzer: Wie Rheinmetall-Chef Papperger einen Shitstorm auslöste
Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat ukrainische Drohnenhersteller als „Hausfrauen mit 3D-Druckern" abgetan – und damit einen Shitstorm ausgelöst, der bis ins Büro von Präsident Selenskyj reicht.
Ein einziges Interview hat in dieser Woche für mehr Wirbel gesorgt als manches Kriegsgeschehen: Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat die ukrainische Drohnenindustrie als Bastelarbeit abgetan – und damit eine Empörungswelle ausgelöst, die von Kyjiw bis in die sozialen Medien rollt.
Der Auslöser war ein am Freitag veröffentlichter Bericht eines US-Magazins. Darin bezeichnete der 63-jährige Vorstandsvorsitzende des deutschen Rüstungskonzerns die ukrainische Drohnenproduktion als „Lego-Spielen". Ukrainische Hersteller seien „Hausfrauen", die mithilfe von 3D-Druckern in der Küche Bauteile produzierten. „Das ist keine Innovation", erklärte Papperger. Zugleich bezweifelte er, dass ukrainische Unternehmen ihre Drohnen jemals an NATO-Länder verkaufen könnten – technologisch seien sie nicht vergleichbar mit Firmen wie Lockheed Martin, General Dynamics oder eben Rheinmetall.
Die Reaktion aus Kyjiw ließ nicht lange auf sich warten. Olexander Kamyschin, Berater von Präsident Selenskyj, konterte öffentlich und scharf: Rheinmetalls „Lego-Drohnen" hätten bislang mehr als 11.000 russische Panzer vernichtet. Einen Tag später legte er nach: Er habe in diesem Jahr über 200 Rüstungsfabriken besucht und gesehen, wie ukrainische Frauen gleichberechtigt mit Männern arbeiteten. Sie verdienten Respekt – nicht Herablassung.
Unter dem Hashtag #LEGODrones sammelten sich Tausende Nutzer in sozialen Medien – viele von ihnen erinnerten daran, welche militärische Wirkung die ukrainischen Drohnen tatsächlich entfaltet haben: Angriffe auf russische Öldepots und Häfen weit hinter der Frontlinie, die Versenkung russischer Kriegsschiffe im Schwarzen Meer, Präzisionsschläge auf Flugplätze auf russischem Territorium. All das wurde in erheblichem Maß mit kostengünstigen Drohnen ukrainischer Eigenproduktion erreicht – nicht mit Hightech aus Düsseldorf.
Die Kritik an Papperger hat dabei auch eine handfeste industriepolitische Dimension. Rheinmetall selbst ist im Begriff, massiv in die Drohnenproduktion zu investieren – und steht damit in direktem Wettbewerb mit aufstrebenden ukrainischen Herstellern. Pappergers Aussagen lassen sich also nicht vollständig von wirtschaftlichen Interessen trennen.
Pikant ist außerdem: Papperger äußert sich auf Presseanfragen nicht zur Kritik. Der Konzernchef, der wegen mutmaßlicher russischer Mordpläne gegen seine Person seit Monaten unter Personenschutz steht, hat eine Debatte ausgelöst, aus der er sich nun stillschweigend heraushält. Ob seine Äußerungen taktisches Kalkül waren oder schlicht einen blinden Fleck gegenüber einer Kriegswirklichkeit offenbaren, die sich von der Konferenzraum-Logik großer Rüstungskonzerne erheblich unterscheidet – darüber lässt sich trefflich streiten.
Was bleibt, ist das Bild einer Branche, die sich schwertut mit der Erkenntnis, dass im Krieg gegen Russland nicht die teuerste Waffe das Rennen macht, sondern oft die schnellste, die günstigste, die anpassungsfähigste. Die ukrainischen Hausfrauen mit ihren 3D-Druckern haben das russische Militär bislang teurer zu stehen gebracht als so manche Milliarden-Investition in klassische Rüstungsprojekte.