Kolossaler Druck auf die ukrainischen Streitkräfte im Süden: Die harte Realität an der Saporischschja-Front zu Beginn 2026

Der Krieg in der Ukraine tritt ins fünfte Jahr ein, und die Frontlinien bleiben ein Ort unerbittlicher Kämpfe.

Kolossaler Druck auf die ukrainischen Streitkräfte im Süden: Die harte Realität an der Saporischschja-Front zu Beginn 2026
Foto: Ukrinform

Während die Welt den Jahreswechsel feiert, berichten Quellen wie CNN und ukrainische Medien von einer dramatisch verschärften Lage im Süden des Landes. Besonders in der Region Saporischschja stehen die ukrainischen Streitkräfte (VSU) unter „kolossalem Druck“, wie es in einem aktuellen Bericht der Nachrichtenagentur UNIAN heißt. Grund dafür ist vor allem ein akuter Mangel an Personal, der es russischen Einheiten ermöglicht, schrittweise vorzurücken.

Huljajpole: Symbol der zermürbenden Kämpfe

Im Zentrum der aktuellen Berichte steht die Stadt Huljajpole in der Oblast Saporischschja. Diese Ortschaft, die bereits seit Monaten umkämpft ist, hat sich zu einer „grauen Zone“ entwickelt – ein Gebiet, in dem weder Seite volle Kontrolle hat, aber russische Truppen in erheblicher Überzahl präsent sind. Analytiker des Projekts DeepState beschreiben, wie russische Einheiten kleine Infanteriegruppen einsetzen, um schwach gesicherte Positionen der Ukrainer anzugreifen. Die Stadt liegt in einer Tiefebene, was die Verteidigung zusätzlich erschwert: Hohe Punkte fehlen, und russische Kräfte können sich leichter nähern.

Ein Offizier der ukrainischen Sicherheitsdienste mit dem Rufnamen „Bankir“ erklärte gegenüber CNN: „Der Feind versucht, seine Positionen für Verhandlungen zu stärken, indem er mehr Territorium erobert.“ In den letzten Wochen sollen russische Brigaden Hunderte Quadratkilometer offenes Gelände eingenommen haben. Ukrainische Einheiten halten zwar noch Teile der Stadt, doch sie sind zahlenmäßig stark unterlegen und haben in den vergangenen Monaten schwere Verluste erlitten, ohne ausreichend Erholung oder Verstärkung zu erhalten.

Personalmangel als Achillesferse

Der Kern des Problems ist der anhaltende Mangel an Soldaten auf ukrainischer Seite. Während Russland durch kontinuierliche Rekrutierung – darunter auch in besetzten Gebieten – seine Truppenstärke aufrechterhält, kämpfen ukrainische Brigaden mit unterbesetzten Einheiten. Prioritäten wie die Verteidigung von Pokrowsk im Osten haben Ressourcen gebunden und den Süden verwundbar gemacht. Berichte aus dem Jahr 2025 sprechen von über 4000 Quadratkilometern, die Russland insgesamt erobert hat, wobei ein signifikanter Teil auf den Süden entfällt.

Der Chef des ukrainischen Militärnachrichtendienstes, Kyrylo Budanow, warnte kürzlich, dass Russlands Ziele für 2026 ambitioniert sind: Vollständige Kontrolle über den Donbass sowie Vorstöße in Saporischschja und benachbarte Regionen. Russland plane, seine Mobilisierung auf über 400.000 Mann zu steigern – eine Zahl, die die ukrainischen Kapazitäten bei weitem übertrifft.

Taktische Anpassungen und zermürbende KriegsführungRussische Truppen setzen auf Infiltrationstaktiken: Kleine Gruppen schleichen sich in graue Zonen ein, um Positionen zu unterlaufen, anstatt frontale Angriffe zu wagen, die hohe Verluste kosten würden. Diese Methode hat sich in Orten wie Huljajpole bewährt und ermöglicht langsame, aber stetige Gewinne. Ukrainische Gegenangriffe gibt es, doch sie können den Druck oft nur lokal mindern.

Analysten des Institute for the Study of War (ISW) betonen, dass russische Vorstöße langsam bleiben – oft nur wenige Kilometer pro Monat. Dennoch nutzt Moskau den Personalmangel der Ukraine aus, um Schwachstellen zu exploitieren. Ohne signifikante westliche Unterstützung in Form von Waffen und Munition könnte der Süden weiter an Stabilität verlieren.

Ausblick ins neue Jahr: Kein Ende in Sicht

Zu Beginn 2026 wirkt der Krieg so festgefahren wie eh und je. Ukrainische Soldaten berichten, dass sie einen fünften Kriegsneujahr erwarten. Diplomatie – etwa Verhandlungen unter US-Vermittlung – läuft parallel, doch auf dem Schlachtfeld diktiert Russland das Tempo. Der Druck im Süden ist nicht nur militärisch: Er symbolisiert die Erschöpfung einer Nation, die seit fast vier Jahren Widerstand leistet.

Die Lage in Saporischschja zeigt exemplarisch, wie ein Krieg der Abnutzung funktioniert: Keine blitzartigen Durchbrüche, sondern ein schleichendes Voranschieben, das Ressourcen zehrt. Für die Ukraine bleibt die Hoffnung auf verstärkte internationale Hilfe und eigene Innovationen – etwa durch Drohnen und präzise Artillerie. Doch solange der Personalmangel anhält, bleibt der „kolossale Druck“ eine bittere Realität.


Quellen: UNIAN, CNN, DeepState, ISW, NYT u.a. (Stand: Januar 2026)