Kein Durchbruch in Abu Dhabi: Moskau beharrt auf gesamtem Donbass

Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Ukraine-Krieges haben einen Dämpfer erhalten.

Kein Durchbruch in Abu Dhabi: Moskau beharrt auf gesamtem Donbass
Foto: Präsidialamt der Ukraine

Am Freitag gingen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate die ersten direkten Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA seit langer Zeit ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Während Kyjiw Sicherheitsgarantien fordert, stellte der Kreml noch während der laufenden Gespräche eine klare Maximalforderung: Die vollständige Kontrolle über den Donbass.

Erstes trilaterales Treffen seit Monaten

Unter strenger Abschirmung trafen sich am Freitagvormittag die Delegationen in Abu Dhabi. Vermittelt durch die US-Regierung unter Präsident Donald Trump, saßen sich erstmals wieder hochrangige Vertreter aller drei Parteien direkt gegenüber. Auf ukrainischer Seite leitete Verteidigungsminister Rustem Umjerow die Delegation, während Russland unter anderem durch den Chef des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, vertreten war. Für die USA waren die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner vor Ort, die zuvor bereits Gespräche in Moskau geführt hatten.

​Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Treffen in einer Videobotschaft als „wichtig“, da es solche trilateralen Formate lange nicht mehr gegeben habe. Er dämpfte jedoch zugleich die Erwartungen: Es sei zu früh, um Schlüsse zu ziehen.

Moskaus harte Bedingung

Der zentrale Streitpunkt bleibt die territoriale Kontrolle. Noch während die Diplomaten verhandelten, bekräftigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau die russische Haltung. Die vollständige Übergabe der Regionen Donezk und Luhansk an Russland sei eine „essenzielle Voraussetzung“ für jedes Abkommen. Derzeit kontrolliert Moskau etwa 80 Prozent des Donezbeckens.

​Berichten zufolge forderte die russische Seite zudem die Einrichtung von „Pufferzonen“ entlang der Frontlinie, in denen russische Polizei- und Nationalgarde-Einheiten patrouillieren sollen – ein Vorschlag, den Kyjiw als inakzeptabel zurückweist. Die Ukraine lehnt Gebietsabtretungen weiterhin kategorisch ab und sieht darin eine Gefahr für ihre zukünftige Sicherheit.

Hintergrund: Die Pendeldiplomatie der USA

Dem Treffen in den Emiraten war eine intensive Woche der Diplomatie vorausgegangen. Am Donnerstag hatte US-Präsident Trump in Davos (Schweiz) mit Präsident Selenskyj gesprochen. Selenskyj verkündete im Anschluss eine Einigung mit den USA über Sicherheitsgarantien, nannte jedoch keine Details. Parallel dazu reisten die US-Gesandten Witkoff und Kushner nach Moskau, um mit Wladimir Putin die Rahmenbedingungen für die Gespräche in Abu Dhabi abzustecken. Putin bezeichnete dieses Treffen als „konstruktiv“, wies seine Delegation jedoch an, an den Zielen der „Spezialoperation“ festzuhalten.

Wie es weitergeht

Die Verhandlungen in Abu Dhabi sollen am morgigen Samstag fortgesetzt werden. Beobachter rechnen nicht mit einem sofortigen Friedensschluss, sondern werten das Treffen eher als Versuch, überhaupt wieder eine diplomatische Basis zu finden. Solange Moskau jedoch auf der vollständigen Annexion des Donbass beharrt und Kyjiw dies als Existenzfrage ablehnt, bleibt der Weg zu einem Waffenstillstand steinig.