Iran beschuldigt Ukraine der Kriegsbeteiligung – Kyjiw weist Vorwurf scharf zurück
Der Iran hat die Ukraine in einem Brief an die UN als „aktiven Kriegsteilnehmer" bezeichnet und ihr Beihilfe zur Aggression gegen Teheran vorgeworfen – Kyjiw kontert: Der Iran habe seit 2022 fast 60.000 Drohnen gegen die Ukraine geliefert, nicht umgekehrt.
Der Iran hat die Ukraine in einem offiziellen Schreiben an den UN-Generalsekretär als „aktiven Teilnehmer der militärischen Aggression" gegen das Land bezeichnet. Verfasser des Briefes ist Amir Saeid Iravani, der ständige Vertreter der Islamischen Republik bei den Vereinten Nationen. Teheran begründet den Vorwurf damit, dass die Ukraine selbst eingeräumt habe, Experten in den Nahen Osten zu entsenden.
In dem Schreiben heißt es, die Ukraine trage nach internationalem Recht Verantwortung für die „Unterstützung oder Beihilfe zur Begehung einer völkerrechtswidrigen Handlung". Iravani erhob zudem den Vorwurf, die gezielte Zerstörung ziviler Industrieinfrastruktur zum Zweck wirtschaftlichen Drucks oder kollektiver Bestrafung könne schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen – einschließlich Kriegsverbrechen.
Die ukrainische Reaktion fiel unmissverständlich aus. Der Sprecher des Außenministeriums, Heorhij Tychyj, wies die Anschuldigungen auf X in scharfen Worten zurück: Seit 2022 sei die Ukraine mit fast 60.000 Drohnen angegriffen worden, die der Iran Russland geliefert habe. Kein einziger ukrainischer Drohnenangriff habe je iranisches Territorium getroffen. Die Vorwürfe Teherans seien schlicht gelogen.
Der Vorfall beleuchtet eine neue Dimension des Konflikts: Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen begonnen, sich als Sicherheitspartner für Staaten des Nahen Ostens zu positionieren – mit kampferprobter Drohnentechnologie und Expertise in der Luftraumverteidigung. Präsident Selenskyj hat dabei offen kommuniziert, dass Kyjiw Fachleute in die Region entsendet und Rüstungsabkommen mit Golfstaaten anstrebt, zuletzt mit Saudi-Arabien. Genau diese Offenheit nutzt Teheran nun als Angriffsfläche – wohl auch, um innenpolitisch und gegenüber der internationalen Gemeinschaft ein Narrativ zu etablieren, das die eigene Kriegsführung relativiert.