Hoffnungsschimmer für die nukleare Sicherheit: Lokaler Waffenstillstand am AKW Saporischschja vereinbart
Inmitten der anhaltenden Kämpfe gibt es eine seltene diplomatische Erfolgsmeldung, die zumindest punktuell für Entspannung sorgt.
Wien/Enerhodar. – Wie die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) bestätigt, haben sich Russland und die Ukraine auf einen lokalen Waffenstillstand rund um das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja (AKW) geeinigt.
Ziel: Reparatur der Lebensader
Der Grund für die vorübergehende Feuerpause ist rein technischer, aber überlebenswichtiger Natur. Nach Angaben von IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi ermöglicht die Einigung den Start von dringenden Reparaturarbeiten an der letzten verbliebenen Reserve-Stromleitung der Anlage.
Die 330-kV-Leitung war durch Kampfhandlungen beschädigt und vom Netz getrennt worden. Dies hatte die Sicherheitslage im größten Kernkraftwerk Europas dramatisch verschärft, da die Kühlung der Reaktoren und anderer sicherheitsrelevanter Systeme zuletzt nur noch über eine einzige verbliebene Hauptleitung (750 кВ) gesichert war. Ein Ausfall auch dieser Leitung hätte den Notbetrieb über Dieselgeneratoren erfordert – ein Risikoszenario, das internationale Beobachter seit Monaten fürchten.
Techniker rücken in den kommenden Tagen aus
Dank der Einigung sollen ukrainische Techniker nun „in den nächsten Tagen“ mit den Arbeiten beginnen können, um die Redundanz der Stromversorgung wiederherzustellen.
Rafael Grossi wertete den Schritt als wichtigen Erfolg der internationalen Vermittlung: „Das ist der vierte befristete Waffenstillstand, den wir erreicht haben. Er zeigt die unverzichtbare Rolle, die wir weiterhin spielen, um die nukleare Sicherheit zu gewährleisten und einen nuklearen Unfall während des Konflikts zu verhindern.“
Hintergrund: Eine Festung im Krieg
Trotz dieses diplomatischen Lichtblicks bleibt die Lage vor Ort angespannt. Ukrainische Aufklärungsdrohnen hatten zuletzt dokumentiert, dass russische Truppen das Gelände des AKW weiterhin militärisch nutzen – als Lager für schweres Gerät und sogar als Übungsplatz für Drohnenpiloten. Die nun vereinbarte Feuerpause ist räumlich und zeitlich strikt begrenzt, markiert aber einen wichtigen Schritt, um eine technische Katastrophe abzuwenden.