Geran-5: Was wir über Russlands neue „Billig-Marschflugkörper“ wissen

Am 11. Januar 2026 bestätigte der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) offiziell, worüber Experten bereits spekuliert hatten: Russland setzt einen neuen Typ von Kampfdrohnen gegen die Ukraine ein – die „Geran-5“.

Geran-5: Was wir über Russlands neue „Billig-Marschflugkörper“ wissen
Foto: GUR - UNIAN-Collage

Doch anders als ihre Vorgänger ist dieses Modell mehr als nur eine „Kamikaze-Drohne“. Mit Strahlantrieb und potenzieller Luft-Luft-Bewaffnung könnte sie die Regeln des Luftkriegs verändern.

​Der iranische Schatten: Vom Shahed zum Karrar

​Wie schon bei der berüchtigten „Geran-2“ (Shahed-136) handelt es sich auch bei der „Geran-5“ nicht um eine rein russische Eigenentwicklung. Laut Geheimdienstinformationen weist die Drohne frappierende konstruktive und technologische Ähnlichkeiten mit der iranischen Karrar-Drohne auf. Dies deutet darauf hin, dass Moskau seine technologische Kooperation mit Teheran weiter vertieft hat, um sein Arsenal an Fernwaffen zu diversifizieren.

​Technischer Sprung: Größer, schneller, tödlicher

​Die technischen Daten der „Geran-5“ markieren einen deutlichen Leistungssprung im Vergleich zu den bisherigen Modellen:

  • Abmessungen: Mit einer Länge von ca. 6 Metern und einer Spannweite von 5,5 Metern überragt sie die „Geran-2“ (3,5 m Länge / 2,5 m Spannweite) deutlich.
  • Design: Während die Vorgänger oft als Nurflügler konzipiert waren, setzt die „Geran-5“ auf ein klassisches aerodynamisches Flugzeug-Design.
  • Antrieb: Das wohl wichtigste Merkmal ist der Strahlantrieb. Ausgestattet mit einem „Telefly“-Triebwerk (ähnlich dem der Geran-3, aber leistungsstärker), erreicht die Drohne Geschwindigkeiten von geschätzt 800 bis 900 km/h.
  • Schlagkraft: Sie trägt einen Gefechtskopf von rund 90 Kilogramm über eine Distanz von bis zu 1.000 Kilometern.
  • Elektronik: Im Inneren finden sich bekannte Komponenten: Das satellitengestützte Navigationssystem „Kometa“ (2-Kanal), Tracker auf Raspberry-Pi-Basis sowie 3G/4G-Modems zur Kommunikation.

​Taktische Evolution: Jäger statt Gejagter?

​Besonders besorgniserregend sind die Berichte über die geplanten Einsatzprofile. Das Institute for the Study of War (ISW) und ukrainische Experten heben zwei potenzielle Neuerungen hervor:

  1. Luft-Luft-Bewaffnung: Es gibt Hinweise darauf, dass Russland versucht, die „Geran-5“ mit R-73 Luft-Luft-Raketen auszustatten. Das Ziel: Die ukrainische Luftwaffe und speziell jene Flugzeuge zu bekämpfen, die aktuell Jagd auf russische Drohnen machen. Damit würde die Drohne vom passiven Ziel zum aktiven Jäger.
  2. Luftstart: Um die Reichweite zu erhöhen und Treibstoff zu sparen, wird an einer Startmöglichkeit von Su-25-Kampfjets gearbeitet. Dies würde die Drohne flexibler einsetzbar machen.

​Eine neue Herausforderung für die Luftverteidigung

​Luftfahrtexperte Bohdan Dolintse vergleicht die „Geran-5“ eher mit einer „billigen Marschflugkörper-Variante“ (ähnlich der ukrainischen „Flamingo“) als mit einer klassischen Loitering Munition.

​Das Problem für die Verteidiger: Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit (fast Schallgeschwindigkeit) ist die „Geran-5“ kaum durch herkömmliche Abfangdrohnen oder Flakgeschütze zu stoppen. „Um diesen Drohnen entgegenzuwirken, ist der Einsatz von Strahlflugzeugen notwendig“, so Dolintse.

​Drohende Massenproduktion?

​Aktuell setzt Russland laut Militärbeobachtern nur geringe Stückzahlen ein (ca. 2–3 pro Woche). Doch der Militäranalyst Denis Popowitsch warnt: Da viele elektronische Komponenten mit den massenhaft produzierten Shahed-Drohnen identisch sind („hohe Austauschbarkeit der Elementbasis“), könnte Moskau die Produktion relativ schnell skalieren. Die „Geran-5“ ist somit der nächste logische Schritt in Russlands Strategie, den Luftraum mit einer Mischung aus billigen Massendrohnen und schnelleren, schwerer abzufangenden Flugkörpern zu überfluten.