Finnischer Präsident Stubb: Der Krieg in der Ukraine könnte mit einem nicht vollständig gerechten Abkommen enden

In seiner Neujahrsansprache hat der finnische Präsident Alexander Stubb eine realistische, aber ernüchternde Einschätzung zum Krieg in der Ukraine abgegeben.

Finnischer Präsident Stubb: Der Krieg in der Ukraine könnte mit einem nicht vollständig gerechten Abkommen enden
Foto: András Rátonyi / Unsplash

Stubb betonte, dass Russland seit fast vier Jahren einen „aggressiven Krieg“ gegen die Ukraine führe, der „illegal und unmoralisch“ sei. Dennoch sei man durch internationale diplomatische Bemühungen derzeit „näher am Frieden als je zuvor“. Gleichzeitig äußerte er Zweifel an der echten Friedensbereitschaft Moskaus.

„Frieden ist oft ein Kompromiss“, sagte Stubb wörtlich. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass einige Teile eines möglichen Friedensabkommens unserem Gerechtigkeitsempfinden nicht entsprechen werden.

Trotz dieser Warnung versicherte der Präsident Finnlands uneingeschränkte Unterstützung für die Ukraine. Er gelobte, „alles Mögliche“ zu tun, um die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität des Landes zu erhalten. Die Ukraine sei ein fester Bestandteil eines „freien und demokratischen Europas“. Finnland werde die Ukraine weiter unterstützen und gemeinsam mit Verbündeten dafür sorgen, dass Russland „nie wieder einen Nachbarn angreift“. Die Beziehungen zwischen Helsinki und Moskau hätten sich „für immer“ verändert.

Stubbs Worte stehen im Kontrast zu den Neujahrsbotschaften anderer Staatschefs. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj widmete seine Ansprache fast ausschließlich dem Krieg und erklärte, ein Friedensabkommen sei bereits zu 90 Prozent vereinbart. Er sieht ein mögliches Ende des Krieges bereits im Jahr 2026.

Der russische Präsident Wladimir Putin hingegen konzentrierte sich in seiner Rede auf die Soldaten an der Front, stellte die Aggression als „Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit“ dar und behauptete breite Volksunterstützung. Themen wie Friedensverhandlungen ließ er komplett aus – ein Hinweis darauf, dass der Kreml den Krieg fortsetzen will.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat Stubb eine aktive Rolle in den internationalen Bemühungen um eine Beendigung des Konflikts gespielt. Er sprach von Fortschritten in Verhandlungen, die durch die USA unter Präsident Donald Trump vorangetrieben werden. Bereits im Dezember 2025 hatte Stubb erklärt, man sei „näher am Frieden als je zuvor seit Februar 2022“. Dennoch warnte er wiederholt davor, dass ein „gerechter Frieden“ unter den aktuellen Bedingungen unwahrscheinlich sei.Finnland, als NATO-Mitglied mit langer Grenze zu Russland, bringt eine besondere Perspektive ein. Stubb vergleicht die Situation gelegentlich mit der historischen Erfahrung seines Landes im Zweiten Weltkrieg, als Finnland Territorien an die Sowjetunion abtreten musste, um die Unabhängigkeit zu wahren.

Die Aussagen des finnischen Präsidenten spiegeln die wachsende Erkenntnis in Europa wider: Ein Ende des Krieges ist dringend wünschenswert, könnte aber schmerzhafte Zugeständnisse erfordern. Dennoch bleibt die Unterstützung für die Ukraine – militärisch, finanziell und diplomatisch – ein zentrales Versprechen der westlichen Verbündeten.