Fico will Experten in die Ukraine schicken – Zweifel an Druschba-Erklärung
Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico zweifelt an den ukrainischen Angaben zur Unterbrechung des Öltransits durch die Druschba-Pipeline und kündigt eine eigene Untersuchung an.
Bratislava/Wien – Fico plant, slowakische Technikexperten zusammen mit dem Botschafter in die Region Brody zu entsenden, um die Schäden „mit eigenen Augen“ zu prüfen.
Wie das slowakische Regierungsportal mitteilt, hat Fico gegenüber dem slowakischen Botschafter in Kyjiw erklärt, dass die Ukraine bislang keine ausreichenden Erklärungen für die Störung im Abschnitt Brody geliefert habe. Bereits zuvor sei eine offizielle Note mit der Forderung nach detaillierten Informationen übergeben worden.
„Falls sich herausstellt, dass es sich um politischen Druck handelt – ähnlich wie beim Gas – ist das für die Slowakei völlig inakzeptabel“, betonte Fico. Die Slowakei werde zudem die EU-Kommission auffordern, eine unabhängige Monitoring-Gruppe in die Ukraine zu schicken.
Hintergrund der Eskalation: Seit Ende Januar 2026 ist der Transit russischen Rohöls durch die Druschba-Pipeline auf ukrainischem Gebiet unterbrochen. Die ukrainische Seite macht russische Drohnenangriffe verantwortlich, Ungarn wirft Kyjiw hingegen vor, den Strom für den entsprechenden Pipeline-Abschnitt abgeschaltet zu haben. Fico hatte bereits in den vergangenen Tagen von „politischem Erpressungsversuch“ gesprochen und diesen mit dem ungarischen Widerstand gegen eine schnelle EU-Aufnahme der Ukraine in Verbindung gebracht.
Als Sofortmaßnahme hat die slowakische Regierung heute beschlossen, staatliche Notfallreserven zu aktivieren: 250.000 Tonnen Rohöl werden an die Raffinerie Slovnaft freigegeben. Damit kann der Betrieb nach Angaben Ficos mindestens einen weiteren Monat aufrechterhalten werden. Gleichzeitig stellt Slovnaft den Export von Diesel und anderen Produkten in die Ukraine ein – „alles, was wir jetzt verarbeiten, bleibt für den slowakischen Markt“, so der Premier.
Fico warnte zudem vor deutlichen Preiserhöhungen beim Kraftstoff, sollte auf die Alternative über den kroatischen Adria-Pipeline umgestellt werden: Die Transitgebühren dort seien fünfmal höher als über die ukrainische Route. Ungarn und die Slowakei haben Kroatien bereits offiziell um die Freigabe russischen Öls über Adria gebeten. Die kroatische Regierung signalisierte zwar Unterstützung bei der Energieversorgung, forderte aber gleichzeitig einen Ausstieg aus russischen Ölimporten.
Die EU-Kommission sieht derzeit keine akuten Versorgungsrisiken für Budapest und Bratislava. Beide Länder verfügten über ausreichende Reserven, hieß es in Brüssel. Die Lage bleibt jedoch angespannt: Die Druschba-Pipeline ist seit Jahrzehnten die Lebensader für die Ölversorgung der Slowakei und Ungarns.
Ficos Vorstoß mit der eigenen Expertenmission gilt als weiterer Schritt in der seit Wochen andauernden Auseinandersetzung zwischen Bratislava, Budapest und Kyjiw um die Energieversorgung inmitten des Ukraine-Kriegs. Eine Reaktion aus Kyjiw auf die angekündigte slowakische Inspektion steht noch aus.