Etwa 200 ukrainische Militärs in Westlibyen stationiert
Etwa 200 ukrainische Offiziere und Militärexperten sind nach Recherchen des französischen Senders RFI in Westlibyen stationiert. Von drei Standorten aus greifen sie mit Drohnen die russische Schattenflotte im Mittelmeer an.
Kyjiw/Tripolis – Rund 200 ukrainische Offiziere und Militärexperten sind in Westlibyen stationiert. Sie operieren von drei Standorten aus und greifen mit Drohnen den russischen Schattenflotte im Mittelmeer an. Im Gegenzug erhält die libysche Regierung in Tripolis Ausbildung an Drohnen sowie perspektivische Waffenlieferungen und Investitionen im Ölsektor.
Das berichtet das französische Newsportal RFI. Demnach handelt es sich um eine geheime Vereinbarung mit der Regierung des libyschen Ministerpräsidenten Abdelhamid Dbeibah. Die ukrainischen Kräfte sind an drei Orten im Westen Libyens positioniert:
- In der Luftwaffenakademie von Misrata (wo auch türkische, italienische, amerikanische und britische Einheiten präsent sind),
- in Zawiya, wo Luft- und See-Drohnen gestartet werden – direkt neben dem Ölkomplex Mellitah,
- sowie im Hauptquartier der 111. Armeebrigade in Tripolis zur Koordination.
Bereits im Herbst 2025 wurden an einem der Standorte Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt: Verstärkungen, neue Start- und Landebahnen sowie Antennen. Die Zusammenarbeit wurde im Oktober 2025 auf Initiative des ukrainischen Militärattachés in Algerien, General Andrij Bajuk, vereinbart.
Konkrete Einsätze belegen die Präsenz: Am 4. März 2026 wurde der russische Tanker „Arktitscheskij Metagas“ vor der libyschen Küste mit einem ukrainischen autonomen Überwasserdrohnen „Magura V5“ angegriffen und bewegungsunfähig gemacht. Bereits am 19. Dezember 2025 war ein weiterer Tanker des russischen Schattenflotte mit einer Drohne aus Misrata attackiert worden.
Die Operationen unterstreichen das verdeckte Ringen zwischen Ukraine und Russland auch außerhalb des eigentlichen Kriegsgebiets. Russland hat Ministerpräsident Dbeibah bereits offiziell vorgeworfen, „ukrainische Gruppierungen“ zu unterstützen und ihnen logistische Hilfe zu leisten. Gleichzeitig sind in Libyen Söldner der Gruppe Wagner (jetzt Teil der russischen Afrika-Korps) aktiv und erhalten von Moskau Waffen, Panzer und Flugabwehrsysteme.
Libyen profitiert von der Partnerschaft durch Schulungen für eigene Soldaten – vor allem im Drohnenbereich – sowie durch künftige ukrainische Investitionen im Ölsektor. Die Enthüllung von RFI basiert auf zwei gut informierten libyschen Quellen. Sie passt zu früheren Berichten über russische Söldneraktivitäten in Libyen, darunter Vorwürfe des Einsatzes chemischer Waffen durch die Wagner-Gruppe.
Die Stationierung ukrainischer Kräfte in Libyen markiert eine neue Dimension des hybriden Konflikts: Während der Krieg in der Ukraine weiter tobt, wird das Mittelmeer zunehmend zum Schauplatz indirekter Auseinandersetzungen zwischen Kyjiw und Moskau.