Eskalation um Gasleitung: Ukraine reagiert auf Vorwürfe aus Serbien

Die Ukraine steht in keinerlei Verbindung zu dem Vorfall an der serbischen Seite der TurkStream-Gaspipeline, wo angeblich Sprengstoff gefunden wurde. Dies erklärte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, in den sozialen Medien.

Eskalation um Gasleitung: Ukraine reagiert auf Vorwürfe aus Serbien
Symbolfoto: JJ Ying / Unsplash

An einer Pumpstation der Balkan-Stream-Gaspipeline nahe der ungarischen Grenze in Serbien wurden Sprengstoff und Zündvorrichtungen sichergestellt. Der Vorfall ereignete sich wenige Tage vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April – und hat sofort eine hochpolitische Kontroverse ausgelöst, bei der Schuldzuweisungen, Wahlkampfrhetorik und Geheimdienstvorwürfe ineinandergreifen.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić bestätigte, dass Armeeeinheiten und Spürhunde in der autonomen Provinz Vojvodina im Norden des Landes, in der Nähe der Ortschaft Velebit, zwei Rucksäcke mit Sprengstoff hoher Zerstörungskraft sowie die dazugehörigen Zünder gefunden hätten. Der Fund wurde an einer Pumpstation der Pipeline gemacht, die russisches Erdgas über die Turkstream-Route – von der Türkei durch Bulgarien und Serbien – nach Ungarn transportiert. Vučić informierte Orbán telefonisch über die Ermittlungsergebnisse und drohte mit einer rücksichtslosen Reaktion gegen jeden, der kritische Infrastruktur Serbiens bedrohe. Seinen Worten zufolge wären Ungarn und Nordserbien ohne russisches Gas geblieben, wenn es zu einer Explosion gekommen wäre.

Orbán berief daraufhin eine Sondersitzung des ungarischen Verteidigungsrats ein. Nach der Sitzung ließen er und Außenminister Péter Szijjártó in Andeutungen durchblicken, dass sie die Ukraine hinter dem Vorfall vermuten. Szijjártó erklärte, der Sprengstoff-Fund füge sich in die sonstigen der Ukraine zur Last gelegten Aktionen ein. „Die Ukraine arbeitet seit Jahren daran, Europa von der Gasversorgung aus Russland abzuschneiden", sagte Orbán in einer Video-Ansprache. Er verwies dabei auf angebliche frühere ukrainische Angriffe auf die Druschba-Pipeline sowie auf die Nordstream-Leitungen.

Die Ukraine wies jeden Zusammenhang mit dem Vorfall kategorisch zurück. Heorhij Tychyj, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, erklärte auf der Plattform X: „Wir weisen jeden Versuch entschieden zurück, die Ukraine fälschlicherweise mit dem Fund von Sprengstoff nahe der Turkstream-Pipeline in Serbien in Verbindung zu bringen. Die Ukraine hat damit nichts zu tun." Stattdessen beschuldigte Tychyj Russland: Es handele sich „höchstwahrscheinlich" um eine russische Operation unter falscher Flagge, die im Rahmen einer massiven Einmischung Moskaus in die ungarischen Wahlen durchgeführt werde.

Diese Deutung wurde auch von Ungarns Oppositionsführer Péter Magyar aufgegriffen. Magyar warf Orbán vor, über das Thema aus wahlkampftaktischen Gründen Panik schüren zu wollen. Bereits seit Wochen habe er Signale bekommen, dass Aktionen unter falscher Flagge in diese Richtung geplant seien. Mehrfach habe man gehört, dass „zufällig" eine Woche vor der Wahl, etwa an Ostern, an dieser Pipeline etwas passieren werde.

Magyar forderte Orbán auf, mit der Panikmache aufzuhören – und fügte hinzu, falls Orbán den Vorfall für Wahlkampfpropaganda nutze, käme dies einem Eingeständnis gleich, dass es sich um eine Aktion unter falscher Flagge handle.

Der politische Kontext macht den Vorfall besonders heikel. Die Balkan-Stream-Pipeline liefert rund 60 Prozent des ungarischen Gasbedarfs und ist für Orbán wirtschaftlich und politisch von zentraler Bedeutung.

Gleichzeitig liegt seine Partei Fidesz in Umfragen deutlich hinter der Oppositionspartei Tisza von Magyar. Jeder Vorfall, der Kyjiw als sicherheitspolitische Bedrohung erscheinen lässt, passt direkt in Orbáns Wahlkampfnarrating: Er hat seit Monaten die Ukraine als Feind Ungarns dargestellt, der die Energieversorgung sabotiere und das Land in einen Krieg ziehen wolle.

Auch Serbiens Präsident Vučić nannte keine konkreten Verdächtigen, deutete aber an, es gebe „gewisse Spuren". Serbien, das kein EU-Mitglied ist, bezieht seinen Großteil des Gases ebenfalls über dieselbe Leitung und hat seit März 2026 Militäreinheiten zu deren Schutz abgestellt.