Erfolgreichste Offensive seit Kursk: Wie die Ukraine Kupjansk zurückeroberte

Inmitten des anhaltenden Krieges in der Ukraine hat sich eine Operation der ukrainischen Streitkräfte als die bisher erfolgreichste seit der Kursk-Offensive 2024 herausgestellt: die Rückeroberung und Säuberung von Kupjansk im Gebiet Charkiw.

Erfolgreichste Offensive seit Kursk: Wie die Ukraine Kupjansk zurückeroberte
Foto: facebook.com/116ombr

Die britische Zeitung The Times enthüllt nun bisher unbekannte Details zu dieser hochgeheimen Mission, die russische Truppen in eine tödliche Falle lockte.

Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte Ende 2025 die Randgebiete von Kupjansk, während russische Einheiten bereits eingekreist waren.

Die Operation begann in einer kritischen Phase: Im September 2025 hatten russische Kräfte die ukrainischen Verteidigungslinien durchbrochen und nutzten sogar eine verlassene Gasleitung, um im Rücken der Ukrainer aufzutauchen. Hunderte russische Soldaten verteilten sich in der Stadt, was einen vollständigen Verlust Kupjansk und damit eine neue Nachschubroute für russische Truppen im Donbass drohte.

Am 21. September 2025 erhielt der 38-jährige Oberst Serhij Sydoryn nur drei Tage Zeit, um eine neue Kampfeinheit aus Teilen des frisch aufgestellten 2. Korps „Charter“ zu formieren. Die Soldaten kannten sich kaum – Chaos drohte. Gegen sie standen eine russische mechanisierte Brigade und zwei Motorschützenregimenter.

Doch die Ukrainer passten sich an: Statt auf Überzahl zu setzen, übernahmen sie russische Taktiken der tiefen Durchdringung. Kleine Sturmgruppen zu je acht Mann rückten gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen vor – heimlich, nicht offen. „Wir führten Sturmoperationen in allen Richtungen durch, aber nicht sichtbar, sondern verborgen. Wo wir Erfolg hatten, bauten wir ihn aus“, wird Sydoryn in The Times zitiert.

Die Angriffe fielen mit schlechten Wetterbedingungen zusammen: Regen, Nebel und sinkende Temperaturen behinderten die russische Aufklärung massiv. Ukrainische Drohnen zerstörten vorrangig Ziele und schnitten Logistikwege ab. Große Schlachten wurden vermieden – stattdessen kontinuierlicher Druck durch kleine, mobile Gruppen.

Bis zum 20. November 2025 erkannte das russische Kommando die Falle nicht. Am 2. Dezember 2025 verkündete Wladimir Putin triumphierend die „vollständige Eroberung“ Kupjansk – zu diesem Zeitpunkt waren seine Truppen bereits umzingelt und dem Untergang geweiht. Nur Tage später posierte Selenskyj an den Stadträndern.

Oberst Sydoryn bilanziert: Seine Gruppe allein eliminierte oder verwundete mindestens 1500 russische Soldaten. Das Verhältnis lag bei 10:1 zugunsten der Ukrainer – auf jeden gefallenen ukrainischen Kämpfer kamen zehn russische Verluste. Derzeit sollen nur noch etwa 50 isolierte russische Soldaten in der Stadt ausharren.

Die Operation wird nun als strategischer Meisterstreich gewertet: Sie verhinderte nicht nur eine russische Nachschubroute, sondern demonstrierte erneut die Fähigkeit der ukrainischen Armee, mit begrenzten Ressourcen und hoher Geheimhaltung überlegene Effekte zu erzielen – vergleichbar mit dem Vorstoß nach Kursk.

Die genauen ukrainischen Verluste bleiben unbekannt, doch die Zahlen unterstreichen den hohen Preis des Krieges auf beiden Seiten. Kupjansk bleibt ein Symbol für die Unberechenbarkeit dieses Konflikts – und für den ukrainischen Willen, verlorenes Territorium zurückzuerobern.