Eisiger Blackout-Winter: Ukraine kämpft gegen Dunkelheit, Kälte und blockierte Friedenssignale
Der Winter 2025/26 hat die Ukraine fest im Griff – und Russland nutzt die extreme Kälte systematisch als Waffe.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 14./15. Januar den Ausnahmezustand im Energiesektor ausgerufen, nachdem russische Drohnen- und Raketenangriffe (oft 200+ Drohnen pro Nacht) die Stromerzeugung auf nur noch etwa 14 GW (von einst 34 GW) gedrückt haben. In Kyjiw, Charkiw, Odessa und vielen anderen Städten gibt es tagelange Blackouts – bis zu 16 Stunden am Tag ohne Strom und Heizung bei Temperaturen bis -20 °C. Tausende Wohnblocks sind ohne Wärme, Wasser und Licht; Hilfszentren („Punkte der Unbesiegbarkeit“) und beheizte Züge dienen als Notunterkünfte.
Selenskyj kritisierte scharf das Krisenmanagement in der Hauptstadt und warf Bürgermeister Witali Klitschko vor, „deutlich weniger getan“ zu haben als z. B. in Charkiw. Reparaturen laufen rund um die Uhr, Stromimporte aus dem Ausland werden massiv hochgefahren, Ausgangssperren flexibler gestaltet und der Anschluss von Generatoren dereguliert – doch die UN warnt vor einer der schwersten humanitären Krisen des Krieges: Millionen Menschen, vor allem Ältere und Kinder, leiden extrem.
An der Front hat sich das Tempo der russischen Vorstöße seit Jahresbeginn deutlich verlangsamt. Laut Institute for the Study of War (ISW) eroberte Russland in den letzten vier Wochen (Dezember–Januar) nur noch rund 70–80 km² – ein Bruchteil der Gewinne im Herbst/Winter 2025. Gründe: Frost und Schnee behindern Infanterie-Infiltrationen, ukrainische Drohnenabwehr (oft >80 % Abschussquote) wirkt besser, und die russische „Jahresend-Deadline“-Mentalität ist vorbei. Lokale Kämpfe halten an – vor allem in Donezk (Kostyantynivka, Pokrowsk-Richtung), Saporischschja (Hulyaipole) und nördlich von Sumy/Charkiw (grenznahe Vorstöße, oft propagandistisch übertrieben dargestellt). Russische Verluste: ukrainische Angaben sprechen von über 1,22 Millionen seit 2022; täglich ~800–1.000.
Diplomatisch bleibt die Lage verfahren – mit gegensätzlichen Signalen aus Washington und Moskau. US-Präsident Donald Trump warf Selenskyj in einem Reuters-Interview vor, er blockiere einen Deal, während Putin „bereit“ sei. Der Kreml stimmte sofort zu: „Trump hat recht – Selenskyj ist das Hindernis.“ Selenskyj konterte scharf: „Die Ukraine ist kein Hindernis für Frieden.“ Verhandlungen (u. a. mit US-Emissären Steve Witkoff und Jared Kushner) drehen sich weiter um Sicherheitsgarantien, Truppenpräsenz (UK/Frankreich planen „military hubs“), Territorium (Donbas, Saporischschja-Kernkraftwerk) und „Novorossiya“-Forderungen Russlands – doch substantielle Zugeständnisse Moskaus fehlen. Viele Experten erwarten kein Kriegsende 2026, solange Russland militärisch Druck halten kann und keine echten Kompromisse macht.
Kurz gesagt: Die Ukraine steht vor ihrer härtesten Winterprüfung seit 2022 – Energie kollabiert, Front stagniert, Diplomatie stockt. Gleichzeitig wächst der internationale Druck auf schnelle Hilfe (Luftabwehr, Transformatoren, Generatoren). Der Mut der Menschen hält – aber die Belastung ist enorm.