Eisige Dunkelheit in Kyjiw: Hauptstadt trotzt schwerem Beschuss und Kälte
Die vergangene Nacht war für die Menschen in Kyjiw eine der schwersten dieses Winters.
Kyjiw – Während die Außentemperaturen auf lebensbedrohliche minus 18 Grad fielen, wurde die ukrainische Hauptstadt erneut Ziel massiver russischer Luftangriffe. Die Kombination aus militärischem Druck und extremer Kälte bringt die Zivilbevölkerung an die Grenze ihrer Belastbarkeit.
Kritische Lage der Energieversorgung
Nach Angaben der Kyjiwer Militärverwaltung zielten russische Raketen und Drohnen in der Nacht zum Mittwoch (14.01.) erneut primär auf die Energieinfrastruktur. Trotz einer hohen Abfangquote der Luftabwehr durchbrachen mehrere Geschosse den Schutzschirm.
- Stromausfälle: In weiten Teilen des rechten Dnipro-Ufers und in den großen Wohngebieten im Osten Kyjiws ist der Strom ausgefallen.
- Heizung: Besonders kritisch ist der Ausfall der Fernwärme in mehreren Bezirken. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass Techniker unter Hochdruck versuchen, Notstromaggregate für die Pumpstationen zu installieren, um ein Einfrieren der Rohre zu verhindern. Die Stadt hat hunderte zusätzliche „Unbesiegbarkeitspunkte“ (Wärmestuben) geöffnet, die derzeit völlig überlaufen sind.
Politische Unruhe in der Regierung
Die Angriffe treffen Kyjiw in einem Moment politischer Anspannung. Erst gestern scheiterte im ukrainischen Parlament (Werchowna Rada) überraschend eine geplante Regierungsumbildung; Berichten zufolge verweigerte das Parlament die Zustimmung zur Entlassung bzw. Neubesetzung des Verteidigungsministers. Diese politische Unsicherheit belastet die Stimmung in der Hauptstadt zusätzlich, während Präsident Wolodymyr Selenskyj zur Geschlossenheit aufruft.
Angriffe im ganzen Land
Nicht nur Kyjiw war betroffen. Auch aus anderen Landesteilen werden schwere Schäden gemeldet:
- Charkiw: Erneuter Beschuss von Wohngebieten.
- Odessa: Die Hafenstadt meldet ebenfalls Treffer auf Umspannwerke.
- Saporischschja: Hier gab es Berichte über Verletzte nach Drohnenangriffen.
Stimmen aus Kyjiw
„Wir schlafen in Winterjacken und Schlafsäcken im Flur“, berichtet eine Anwohnerin aus dem Bezirk Solomjanski. „Das Geräusch der Generatoren ist mittlerweile lauter als der Verkehr, aber es ist das Geräusch des Überlebens.“ Die Menschen in Kyjiw zeigen sich trotz der widrigen Umstände ungebrochen, auch wenn die physische und psychische Erschöpfung nach vier Jahren Krieg deutlich spürbar ist.