„Eine Falle mit zwei Zündern“ – Die 33-jährige Bombenlegerin aus Kostopil, die Lwiw in Angst und Schrecken versetzte

In der Nacht zum Sonntag explodierten im Herzen Lwiws zwei selbstgebaute Sprengsätze – gezielt so platziert, dass sie nicht nur zerstören, sondern vor allem töten sollten.

„Eine Falle mit zwei Zündern“ – Die 33-jährige Bombenlegerin aus Kostopil, die Lwiw in Angst und Schrecken versetzte
Foto: Nationalpolizei

Lwiw/Kostopil – Das perfide Kalkül: Ein falscher Notruf lockte die Polizei an die Adresse Danylyshyna-Straße 20. Kaum war der erste Streifenwagen da, detonierte die erste Bombe. Als Verstärkung eintraf, flog die zweite in die Luft. Eine 23-jährige Polizistin starb noch am Tatort. Mehr als 20 weitere Menschen wurden verletzt, zwölf lagen am Abend noch im Krankenhaus, zwei davon in Lebensgefahr.

Die Frau, die hinter diesem Anschlag steckt, ist keine unbekannte Terroristin aus dem Ausland. Es ist eine 33-jährige Ukrainerin aus dem ruhigen Kostopil im Gebiet Riwne – eine Frau, die seit September 2025 vorübergehend in Lwiw lebte und offenbar ein Doppelleben führte.

Am Sonntagabend teilte die Lwiwer Gebietsstaatsanwaltschaft mit: Der Verdächtigen wurde offiziell die Verdachtsmitteilung wegen Terrorakts mit Todesfolge (Art. 258 Abs. 3 StGB) und illegalem Umgang mit Waffen (Art. 263 Abs. 1) übermittelt. „Die Verdachtsmitteilung basiert auf objektiven Beweisen“, betonte Nazar Markiv, Leiter der Abteilung für die Aufsicht über die Sicherheitsbehörden. „Diese Frau hat den Terrorakt begangen, der das Leben einer 23-jährigen Polizistin gefordert und mehr als 20 Menschen verletzt hat.“

Der Ablauf liest sich wie aus einem Thriller: Zwischen 23 und 23:30 Uhr deponierte die 33-Jährige die beiden Sprengsätze. Um 00:30 Uhr ging bei der Polizei (102) ein Anruf aus dem Gebiet Charkiw ein – angeblich ein Einbruch in genau diesem Geschäft. Die Taktik war eiskalt: Erst die Polizei anlocken, dann zuschlagen, dann noch einmal zuschlagen, wenn die Helfer kommen. Die Zünder waren offenbar ferngesteuert.

Nach den Explosionen floh die Verdächtige per Taxi aus der Stadt. Doch die Fahndung lief auf Hochtouren. Noch in derselben Nacht wurde sie in Staryi Sambir im Gebiet Lwiw gestellt. Bei Durchsuchungen ihrer Wohnungen und Aufenthaltsorte stellten Ermittler Beweise sicher, die sie eindeutig belasten.

Besonders brisant: Die Behörden prüfen eine Verbindung nach Russland. „Wir stellen die Beteiligung von Vertretern der Russischen Föderation am Terrorakt fest“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Innenminister Ihor Klymenko ging noch weiter: Es gebe „alle Gründe anzunehmen“, dass der Anschlag auf Bestellung Moskaus ausgeführt wurde. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte zudem, dass in dem Fall bereits mehrere Personen festgenommen wurden.

Die 33-Jährige sitzt nun in Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft beantragt Untersuchungshaft ohne Kaution. Sollte sie verurteilt werden, droht ihr lebenslange Haft.

Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis: Der Krieg hat Lwiw erreicht – nicht durch Raketen aus der Luft, sondern durch eine unscheinbare Frau aus der Provinz, die offenbar zum Werkzeug wurde. Eine junge Polizistin, die nur ihren Dienst tat, bezahlte mit dem Leben. Und die Stadt, die bislang als relativ sicher galt, spürt nun die kalte Hand des hybriden Terrors.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Nationalpolizei hat bereits Videoaufnahmen von der Platzierung der Bomben veröffentlicht. Für die Angehörigen der Getöteten und die Verletzten beginnt nun der lange Weg der Trauer und der Genesung – in einer Ukraine, die längst gelernt hat, dass der Feind nicht immer von außen kommt.