Druschba-Pipeline: Ukraine nennt erstmals konkreten Reparaturzeitraum

Anderthalb Monate bis zur technischen Betriebsbereitschaft – so lautet Selenskyjs Antwort an die EU im Druschba-Streit. Doch der Naftohas-Chef macht deutlich: Die zerstörte Infrastruktur lässt sich nicht einfach wiederherstellen. Und Selenskyj selbst zweifelt, ob er das überhaupt tun sollte.

Druschba-Pipeline: Ukraine nennt erstmals konkreten Reparaturzeitraum
Symbolfoto: SELİM ARDA ERYILMAZ / Unsplash

Es ist das Datum, auf das Brüssel gewartet hat. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Donnerstag, dass die Ukraine innerhalb von etwa einem bis anderthalb Monaten die technischen Voraussetzungen für einen Wiederanlauf der Druschba-Pipeline schaffen könne. Das sei heute, nach einem Arbeitstreffen mit Premierministerin Julija Swyrydenko und dem Kabinett, offiziell kommuniziert worden – auf ausdrückliche Bitte der EU.

Doch Selenskyj selbst fügte sofort einen entscheidenden Vorbehalt hinzu: „Das bedeutet nicht, dass alles vollständig wiederhergestellt ist."

Was zerstört wurde – und warum es komplizierter ist

Der Naftohas-Direktor Serhij Korezkyj schilderte die Hintergründe im Detail. Am 27. Januar traf ein russischer Drohnenangriff die zentrale Pumpstation in Brody in der Oblast Lwiw. Zwar wurden mehrere Drohnen abgeschossen, doch eine von ihnen löste einen Brand aus, der einen Öltank mit einer Kapazität von 75.000 Tonnen zerstörte – einen der größten seiner Art in ganz Europa.

Die Pipeline ist dabei weit mehr als nur ein Rohr: Sie ist ein komplexes System aus Pumpaggregaten, Kompressoren, Druckausgleichsbehältern und Sicherheitsventilen. Während des Brandes musste Öl notgedrungen in die Pipeline zurückgepumpt werden, um eine großflächige ökologische Katastrophe zu verhindern. „Entweder warten wir, bis Zehntausende Tonnen Öl auslaufen, oder wir pumpen es in die Leitung, um die Brandbekämpfung zu verkürzen. Wir haben die zweite Option gewählt", so Korezkyj.

Derzeit laufen Reparaturarbeiten und der Bau eines Übergangsleitungsstücks, das den Ölstrom vom beschädigten Tank auf eine andere Reservoirgruppe umlenken soll. In rund anderthalb Monaten soll die technische Betriebsfähigkeit wiederhergestellt sein.

Kein Wiederaufbau wie gehabt

Der eigentliche Tank jedoch soll nicht in seiner ursprünglichen Form wiederaufgebaut werden – und das aus gutem Grund. Korezkyj machte deutlich, dass ein offenliegender Oberflächentank erneut zur Zielscheibe werden könnte. Stattdessen plant die Ukraine den Bau unterirdischer Reservoirparks nach NATO-Standards, die verschiedene Ölsorten sicher lagern und gegen Beschuss widerstandsfähig sind. Allein die Planung eines solchen Projekts würde in EU-Ländern drei bis sechs Monate dauern.

Selenskyj: „Ich würde es nicht wiederherstellen"

In einem bemerkenswert offenen Moment ließ Selenskyj durchblicken, was er persönlich von der ganzen Sache hält: Er würde die Druschba-Pipeline schlicht nicht reparieren. Die Ukraine stehe unter erheblichem Druck aus Brüssel – die EU drängt auf eine Wiederaufnahme des Öltransits, um Orbáns Veto gegen das 90-Milliarden-Kreditpaket zu überwinden.

Selenskyjs Logik ist dabei klar: Russisches Öl durch ukrainisches Territorium zu pumpen und damit Moskau indirekt Einnahmen zu ermöglichen, während russische Raketen und Drohnen täglich ukrainische Städte treffen – das ist für ihn schwer zu rechtfertigen. Die Ukraine tue es dennoch, weil die EU es so möchte und weil 90 Milliarden Euro auf dem Spiel stehen.

„Wir können die Information übermitteln, dass eine Wiederinbetriebnahme innerhalb von anderthalb Monaten möglich ist – wenn die EU-Staaten keinen anderen Weg finden, die Kreditblockade aufzulösen. Wir werden alles vorbereiten. Die Entscheidung liegt bei ihnen."

Die entscheidende Frage bleibt, ob Orbán das als ausreichend akzeptiert. Der Europäische Rat tagt am 19. März – dann soll die Abstimmung über das Hilfspaket fallen.