Drohnenangriffe auf zwei Schlüsselobjekte: Ukraine zielt auf Russlands Ölexport und Treibstoffversorgung
Mit Drohnenangriffen auf den wichtigsten russischen Ostsee-Ölhafen und eine Raffinerie im über 1.400 Kilometer entfernten Ural hat die Ukraine erneut tief ins Herz der russischen Kriegsfinanzierung getroffen.
Die ukrainischen Streitkräfte haben in der Nacht vom 22. auf den 23. März zwei bedeutende Einrichtungen der russischen Energieinfrastruktur angegriffen. Der ukrainische Generalstab bestätigte Treffer auf den Ölterminal Primorsk an der Ostsee sowie auf die Raffinerie Baschnjeft-Ufaneftechim in der Republik Baschkortostan im südlichen Ural – an beiden Standorten brannten nach den Schlägen Feuer.
Der Ölterminal Primorsk in der Leningrader Oblast gilt als der größte Rohölhafen Russlands an der Ostsee und ist ein zentraler Exportknotenpunkt. Über ihn werden nach Angaben des ukrainischen Generalstabs rund 60 Millionen Tonnen Öl pro Jahr verschifft – darunter ein erheblicher Teil, der über den sogenannten Schattenflot Russlands auf dem Weltmarkt abgesetzt wird. Allein im Jahr 2025 wurden dort mehr als 46,6 Millionen Tonnen umgeschlagen. Nach dem Angriff brannten nach Angaben aus dem ukrainischen Sicherheitsdienst SBU sowohl Rohöltanks als auch die Verladeinfrastruktur. Die lokalen Behörden bestätigten den Brand und leiteten die Evakuierung des Personals ein.
Für den Angriff auf Primorsk zeichnet laut einem informierten Insider des SBU das Zentrum für Spezialoperationen „Alpha" gemeinsam mit anderen Einheiten der ukrainischen Streitkräfte verantwortlich. „Jedes verkaufte Barrel russisches Öl ist Geld, das in den Krieg gegen die Ukraine fließt. Deshalb führt der SBU seine systematische Arbeit fort, um diese Einnahmen zu reduzieren", hieß es aus Kreisen des Nachrichtendienstes. Derartige Spezialoperationen würden fortgesetzt, bis Russland seine Aggression beende.
Das zweite getroffene Objekt, die Raffinerie Baschnjeft-Ufaneftechim in Ufa, liegt rund 1.400 Kilometer von der ukrainischen Staatsgrenze entfernt – ein Beleg für die wachsende Reichweite ukrainischer Drohnen. Die Anlage verfügt über eine jährliche Primärverarbeitungskapazität von sechs bis acht Millionen Tonnen Rohöl und spielt eine wichtige Rolle bei der Kraftstoffversorgung der russischen Streitkräfte. Der Generalstab bestätigte auch dort einen Brandausbruch auf dem Werksgelände.
Die beiden Angriffe reihen sich in eine Serie ukrainischer Schläge gegen die russische Rüstungs- und Energieinfrastruktur ein. Zuletzt hatte die Ukraine am 19. März das Innovationszentrum des Wartungsbetriebs „Granit" des Rüstungskonzerns Almaz-Antei auf der Krim getroffen, der russische Luftabwehrsysteme instand hält. Am 16. März wurde das Flugzeugwerk Aviastar in Uljanowsk angegriffen, das unter anderem militärische Transportflugzeuge des Typs Il-76 produziert.