Die Operation „Chartija“ – von der Planung zum Erfolg

Die aktuelle Phase der Kämpfe um Kupiansk wird von Einheiten des 2. Korps der Nationalgarde der Ukraine unter dem Namen „Chartija“ durchgeführt.

Die Operation „Chartija“ – von der Planung zum Erfolg
Foto: Ukrinform

Besonders die Aufklärungs- und Angriffsgruppe (Разведывательно-ударная группа, Р.У.Г.) des 4. Bataillons stürmte das zentrale Verwaltungsgebäude und etablierte dort die ukrainische Kontrolle.

Die Soldaten filmten den Einsatz mit GoPro-Kameras – die Aufnahmen zeigen intensive Gefechte in den Trümmern, den finalen Vorstoß ins Gebäude und den feierlichen Moment, in dem die Flagge gehisst wird. Das Video, das vom Korps „Chartija“ veröffentlicht wurde, ist inzwischen in ukrainischen Medien weit verbreitet und wird als Beweis für die Effektivität der Operation gesehen.

Der Kommandeur des 2. Korps, Oberst Ihor Obolenskyj, betonte:„Die Kupiansk-Operation beweist, dass dank Planung, Ausbildung der Kommandeure und Stäbe sowie qualitativ hochwertiger Vorbereitung der Einheiten – alles, was wir die Methode ‚Chartija‘ nennen – der Feind erfolgreich gestoppt und vernichtet werden kann.“

Parallel zur Stürmung des Rathauses arbeiten die Such- und Angriffsgruppe „Chartija“ sowie die taktische Gruppe „Kupiansk“ daran, den Rest der Stadt von verbliebenen russischen Kräften zu säubern („зачистка“). Laut ukrainischen Angaben befindet sich die Operation bereits in der Endphase.

Hintergrund: Ein Jahr voller Kämpfe und Propaganda-Schlachten

Kupiansk ist seit 2022 mehrmals den Besitzer gewechselt. Nach der Befreiung im September 2022 durch die ukrainische Gegenoffensive wurde die Stadt Ende 2024 / Anfang 2025 erneut zum Ziel massiver russischer Angriffe. Im November 2025 verkündete der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow sogar die „vollständige Einnahme“ – eine Behauptung, die von ukrainischer Seite sofort widerlegt wurde. Präsident Selenskyj besuchte sogar persönlich die Stadt (Dezember 2025), um die ukrainische Präsenz zu demonstrieren.

Anfang Januar 2026 versuchten russische Quellen noch, mit Drohnenangriffen auf symbolische ukrainische Flaggen-Installationen (per UAV) Propaganda zu betreiben – doch diese Versuche scheiterten oder wurden von russischer Seite selbst als Erfolg verkauft, obwohl sie die tatsächliche Lage nicht änderten.

Mitte Januar 2026 hat sich die Situation jedoch deutlich zugunsten der ukrainischen Seite gedreht: Laut verschiedenen Berichten kontrollieren ukrainische Kräfte inzwischen große Teile – teilweise bis zu 90% – der Stadt. Russische Einheiten sind weitgehend isoliert, ohne Nachschub und teilweise zur Kapitulation gezwungen.

Symbolkraft und militärische Bedeutung

Das Hissen der Flagge über der zerstörten Мэрия ist weit mehr als nur ein taktisches Ereignis. Es sendet ein klares Signal:

  • an die eigene Bevölkerung und Armee → Durchhaltewillen und Erfolge sind möglich
  • an den Gegner → Die russische „vollständige Einnahme“-Erzählung ist endgültig widerlegt
  • international → Die ukrainische Armee ist trotz enormer Belastung weiterhin zu offensiven Operationen fähig

Kupiansk bleibt ein logistisches Drehkreuz – wer die Stadt und die Oskil-Übergänge kontrolliert, hat Vorteile für Operationen in Richtung des Donbas (Lyman, Slowjansk, Kramatorsk).

Während die Säuberungsarbeiten weitergehen, bleibt die Lage dynamisch. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die ukrainischen Einheiten die vollständige Kontrolle über Kupiansk herstellen können – und ob Russland noch einmal versuchen wird, mit Reserven gegenzuhalten.

Eines ist aber bereits klar: Der blaue Himmel über der ehemals besetzten Мэрия trägt heute wieder die ukrainische Flagge. Ein kleiner, aber hochsymbolischer Sieg in einem langen Krieg.