Die „Koalition der Willigen“ schmiedet in Paris die neue Sicherheitsarchitektur für die Ukraine
Während die Welt auf die kommenden geopolitischen Verschiebungen blickt, wurde gestern in Paris Geschichte geschrieben.
In einem entscheidenden Schritt zur Sicherung eines dauerhaften Friedens in Europa haben die Ukraine, die USA und die sogenannte „Koalition der Willigen“ (Koalition der Bereitwilligen) ein umfassendes Paket an Sicherheitsgarantien unterzeichnet. Das Treffen, das auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron stattfand, sendet ein klares Signal: Die Unterstützung für Kyjiw wird nicht nur fortgesetzt, sondern institutionalisiert – und das mit einem konkreten Mechanismus für die Zeit nach einem Waffenstillstand.
Mehr als nur Versprechen: Ein rechtlich bindendes Rahmenwerk
Das wichtigste Ergebnis des Gipfels ist die gemeinsame Erklärung „Zuverlässige Sicherheitsgarantien für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Ukraine“. Anders als frühere Absichtserklärungen zielt dieses Dokument auf politisch und rechtlich verankerte Mechanismen ab.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte nach dem Treffen, dass es sich hierbei nicht nur um Worte handele, sondern um „Konkretika“. Das vereinbarte System soll sofort nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands aktiviert werden und ergänzt die bereits bestehenden bilateralen Sicherheitsabkommen.
Die drei Säulen der neuen Sicherheitsgarantien
Laut dem veröffentlichten Text ruht die neue Sicherheitsarchitektur auf mehreren massiven Pfeilern:
1. Überwachung unter US-Führung
Ein zentraler Punkt ist die Einrichtung eines robusten Überwachungs- und Verifikationsmechanismus für einen zukünftigen Waffenstillstand. Bemerkenswert ist hierbei die Führungsrolle der USA. Geplant ist eine kontinuierliche Überwachung, an der sich die Mitglieder der Koalition beteiligen. Eine eigens geschaffene Spezialkommission soll Verstöße untersuchen und Verantwortlichkeiten klären.
2. Die „Multinationalen Streitkräfte für die Ukraine“
Vielleicht der revolutionärste Aspekt ist die Einigung auf multinationale Streitkräfte. Präsident Selenskyj, Präsident Macron und der britische Premierminister Keir Starmer unterzeichneten hierzu eine separate Absichtserklärung.
Diese Kräfte sollen:
- Unter europäischer Führung stehen (mit Unterstützung der USA und nicht-europäischer Partner).
- Auf ausdrücklichen Wunsch der Ukraine nach einem Waffenstillstand eingesetzt werden.
- Zur Abschreckung dienen und den Wiederaufbau der ukrainischen Streitkräfte (Luft, See, Land) unterstützen.
3. Automatismus bei neuen Angriffen
Für den Fall eines erneuten bewaffneten Angriffs durch Russland in der Zukunft haben sich die Parteien auf ein schnelles Reaktionsmuster geeinigt. Dies beinhaltet nicht nur diplomatische Initiativen und Sanktionen, sondern auch sofortige militärische, geheimdienstliche und logistische Unterstützung.
Der „Faktor Trump“ und das Koordinationszentrum
Das Timing dieses Treffens ist kein Zufall. Wie Ukrinform berichtet, dient das finalisierte Dokument auch als feste Verhandlungsgrundlage für kommende Gespräche mit US-Präsident Donald Trump. Um die Zusammenarbeit zwischen den USA, der Ukraine und den europäischen Partnern zu straffen, wurde beschlossen, ein „USA/Ukraine/Koalition“-Koordinationszentrum direkt im operativen Hauptquartier der Koalition in Paris einzurichten.
Ein Signal der Stärke
Die „Koalition der Willigen“ macht deutlich, dass die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine als kritisch für die kollektive Sicherheit des gesamten euroatlantischen Raums angesehen wird. Mit langfristigen Verteidigungspaketen, der Finanzierung von Waffenkäufen und der technischen Unterstützung beim Bau von Befestigungsanlagen wird die Ukraine de facto in die westliche Sicherheitsarchitektur integriert, noch bevor eine formelle NATO-Mitgliedschaft vollzogen ist.
Das Treffen in Paris am 6. Januar 2026 könnte als der Moment in die Geschichte eingehen, in dem Europa und seine Verbündeten den Übergang von der bloßen Krisenreaktion hin zu einer langfristigen Friedenssicherung vollzogen haben.