Deutschland rüstet auf: Vertrag für die Produktion der neuen Taurus Neo Marschflugkörper unterzeichnet

Die Bundeswehr stärkt ihre Fähigkeiten für tiefe Präzisionsschläge.

Deutschland rüstet auf: Vertrag für die Produktion der neuen Taurus Neo Marschflugkörper unterzeichnet
Bild: Bernhard Huber/MBDA

Die Bundeswehr stärkt ihre Fähigkeiten für tiefe Präzisionsschläge: Am 18. Dezember 2025 hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) einen wichtigen Vertrag mit der Taurus Systems GmbH (TSG), einem Joint Venture der europäischen Rüstungskonzerne MBDA und Saab, abgeschlossen. Ziel ist die Vorbereitung der Serienproduktion der modernisierten Abstandswaffe Taurus Neo.

Dieser Schritt markiert einen Meilenstein in der Modernisierung der deutschen Luftstreitkräfte. Der Taurus Neo soll die bewährte Taurus KEPD 350 ersetzen oder ergänzen und bietet verbesserte Technologien wie modernisierte Navigation, besseren Schutz vor elektronischer Störung und potenziell eine erweiterte Reichweite von über 500 Kilometern. Die Rakete bleibt ein luftgestützter Marschflugkörper, der von Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter Typhoon eingesetzt werden kann und hochgeschützte Ziele aus sicherer Distanz bekämpfen soll.

Hintergrund und strategische Bedeutung

Der Vertrag baut auf einem früheren Abkommen aus Dezember 2024 auf, das die Wartung und Modernisierung der bestehenden rund 600 Taurus-Raketen der Bundeswehr vorsah. Nun geht es um die Schaffung von Produktionskapazitäten in Deutschland für große Stückzahlen der neuen Variante. MBDA plant, in den Jahren 2025 bis 2029 insgesamt 2,4 Milliarden Euro in den Ausbau der Raketenproduktion zu investieren, um auf die wachsenden Verteidigungsbedürfnisse Europas zu reagieren.

Thomas Gottschild, Geschäftsführer von MBDA Deutschland, betont: „Mit Taurus Neo baut Deutschland gezielt seine hochmodernen Deep-Strike-Fähigkeiten aus und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Abschreckungsfähigkeit Europas und der NATO.“

Die Beschaffung von bis zu 600 Taurus Neo wird auf einen Gesamtwert von rund 2,1 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Serienlieferungen voraussichtlich ab 2029 beginnen sollen. Der aktuelle Vertrag dient primär der Vorbereitung – inklusive Entwicklung neuer Technologien, Erweiterung der Kapazitäten und Beschaffung von Komponenten.

Der Auftrag erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Spannungen, insbesondere des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Während die Modernisierung primär die eigene Verteidigungsbereitschaft der Bundeswehr und die NATO-Abschreckung stärkt, bleibt eine Lieferung von Taurus-Raketen an die Ukraine weiterhin umstritten. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz lehnt derzeit eine direkte Übergabe ab, um Eskalationsrisiken zu vermeiden, und setzt stattdessen auf Unterstützung bei der Entwicklung eigener ukrainischer Langstreckenwaffen.

Ausblick

Der Taurus Neo unterstreicht die Bemühungen Deutschlands, seine Verteidigungsfähigkeiten in einer unsicheren geopolitischen Lage zu stärken. Durch die Produktion in Deutschland wird zudem die europäische Souveränität in der Rüstung gefördert. Mögliche weitere Partner wie Schweden oder Spanien könnten sich dem Programm anschließen. Die neue Rakete soll die Bundeswehr bis in die 2040er Jahre hinein einsatzbereit halten und Risiken für Piloten minimieren, indem sie Angriffe aus großer Entfernung ermöglicht.

Dieser Auftrag ist Teil eines größeren Rüstungspakets, das der Haushaltsausschuss des Bundestags kürzlich genehmigt hat und das die nationale und europäische Sicherheit langfristig sichert.