Deutschland hat fast keine Raketen mehr für die ukrainische Luftverteidigung übrig

Deutschland hat seine Vorräte an Luftabwehrraketen, die es direkt aus eigenen Beständen an die Ukraine hätte liefern können, nahezu erschöpft.

Deutschland hat fast keine Raketen mehr für die ukrainische Luftverteidigung übrig
Foto: Viva Zhang / Unsplash

Das hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Montag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt. Nur noch Patriot-Raketen amerikanischer Produktion seien vorhanden.

„Teilweise deshalb, weil wir sie nicht mehr haben. Was wir haben, sind Patriot-Raketen amerikanischer Produktion. Ehrlich gesagt: Alles, was vom Band läuft, geht direkt in die Ukraine über einen Mechanismus, der hauptsächlich von den Europäern finanziert wird, vor allem von Deutschland“, sagte Wadephul wörtlich.

Der Minister betonte, Deutschland habe „alles gegeben“ und finanziere den Löwenanteil der Unterstützung. „Ukraine verteidigt unsere Freiheit, aber alle Europäer müssen mehr tun. Es braucht Solidarität und Eigenständigkeit – in der Verteidigung und in der Wirtschaft“, appellierte er an die Partner in der EU.

Hintergrund der Aussage sind anhaltende Klagen aus Kyjiw über Engpässe bei der Luftverteidigung (PVO). Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte erst am Sonntag (15. Februar) neue Hilfspakete der Partner angekündigt, darunter weitere Raketen für die Flugabwehr. Gleichzeitig warnte er wiederholt vor schwindenden eigenen Reserven angesichts der massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffe.

Wadephul verwies darauf, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius bereits andere europäische Staaten aufgefordert habe, ihre eigenen Luftabwehrbestände zu prüfen. Viele Länder verfügten noch über entsprechende Systeme und sollten diese stärker einbringen.

Trotz der erschöpften Bundeswehr-Vorräte läuft die Produktion neuer Raketen auf Hochtouren. Diese fließen jedoch unmittelbar in die laufenden Lieferungen an die Ukraine – finanziert größtenteils über europäische Fonds, bei denen Deutschland den größten Beitrag leistet. Deutschland gilt weiterhin als einer der wichtigsten Unterstützer der ukrainischen Luftverteidigung und hat bereits neun IRIS-T-Systeme geliefert; weitere sind angekündigt.

Die britische Zeitung "The Guardian" greift zudem einen Bericht auf, wonach der geplante Start einer neuen Munitionsfabrik in Großbritannien (einschließlich für die Ukraine) sich verzögert. Die Anlage sollte eigentlich im Sommer 2025 die Produktion aufnehmen, wurde aber wegen einer Kapazitätsverdopplung mitten im Bau gestoppt.

Die Aussage Wadephuls unterstreicht die wachsende Belastung der westlichen Rüstungsindustrie und die Dringlichkeit, die europäische Verteidigungsproduktion massiv auszubauen. Gleichzeitig appelliert Berlin erneut an die Partner, nicht allein auf Deutschland zu setzen.