Der Mann, der Putin zum Narren hielt: Die unglaubliche Auferstehung des Denis Kapustin

Der Mann, der Putin zum Narren hielt: Die unglaubliche Auferstehung des Denis Kapustin
Foto: news.online.ua

Stellen Sie sich vor: Ein russischer Kommandant, der gegen das Kreml-Regime kämpft, wird tot gemeldet – getötet durch eine russische Drohne an der Front. Trauerbekundungen, Racheversprechen, Propaganda-Feiern in Moskau. Und dann, am Neujahrstag, taucht er quicklebendig auf, grinst in die Kamera und sagt: „Ich bin bereit, weiterzukämpfen.“

Klingt wie ein Hollywood-Thriller? Willkommen in der Realität des Ukraine-Kriegs, wo Spionagespiele manchmal spektakulärer sind als jeder Bond-Film.

Denis Kapustin, besser bekannt unter seinem Kampfnamen White Rex, ist der Gründer und Kommandant des Russischen Freiwilligenkorps (RDK) – einer Einheit russischer Kämpfer, die seit 2022 auf ukrainischer Seite gegen Putin Krieg führen. Kapustin, ein ehemaliger rechtsextremer Aktivist aus Moskau, der lange in Deutschland und der Ukraine lebte, hat sich mit kühnen Grenzüberfällen einen Namen gemacht. Er gilt als persönlicher Feind Wladimir Putins – und genau das machte ihn zum Ziel.

Am 27. Dezember 2025 meldete das RDK selbst den Tod seines Kommandanten: Kapustin sei bei einem Kampfeinsatz in der Region Saporischschja von einer russischen FPV-Drohne getötet worden. Russische Medien jubelten, Propagandisten feierten einen „großen Erfolg“. Doch es war alles eine Inszenierung – eine monatelange Meisterleistung der ukrainischen Militäraufklärung GUR unter Chef Kyrylo Budanov.

Wie die GUR am 1. Januar enthüllte: Russische Geheimdienste hatten ein Kopfgeld von 500.000 US-Dollar auf Kapustin ausgesetzt. Die Ukrainer nutzten diese Information für eine Gegenoperation. Sie täuschten den Tod vor, lockten die Attentäter und Mittelsmänner heraus – und kassierten am Ende das gesamte Geld selbst. Dieses „Kreml-Geschenk“ fließt nun in die Ausrüstung ukrainischer Spezialeinheiten.

In einem veröffentlichten Video berichtet der Kommandant der GUR-Spezialeinheit „Timur“ (zu der das RDK gehört) Budanov persönlich von dem Erfolg. Kapustin schaltet sich per Video zu und erklärt ruhig: „Meine vorübergehende Abwesenheit hat die Kampfeinsätze nicht beeinträchtigt. Ich bin bereit, wieder an die Front zu gehen.“ Budanov, mit einem schiefen Lächeln: „Zuerst einmal, Herr Denis, herzlichen Glückwunsch zur Rückkehr ins Leben. Das ist immer erfreulich. Und schön, dass das Geld für Ihre Liquidation nun unserer Sache hilft.“

Das ist nicht das erste Mal, dass die Ukraine solche Täuschungsmanöver einsetzt. 2018 inszenierte sie den Mord am Journalisten Arkadi Babtschenko, um einen echten russischen Anschlag zu vereiteln. Nun wiederholt sich die Geschichte – nur teurer und mit noch mehr Ironie: Russisches Geld finanziert nun den Kampf gegen Russland.

Kapustins RDK ist berüchtigt für spektakuläre Aktionen. 2023 drangen seine Kämpfer tief in die russischen Regionen Belgorod und Brjansk ein, hissten ukrainische Flaggen in Dörfern und demütigten die russische Armee öffentlich.

In Moskau reagiert man sauer: Pro-russische Medien sprechen von „Terroristen“ und „Inszenierung“, doch der Spott ist unüberhörbar. Für die Ukraine ist es ein Propaganda-Coup und ein finanzieller Bonus zugleich. Und für Kapustin? Der Mann, der schon einmal „gestorben“ ist, kämpft einfach weiter – lebendiger denn je.

In diesem Krieg verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Täuschung immer mehr. Eine Geschichte wie diese zeigt: Manchmal gewinnt nicht der Stärkere, sondern der Schlauere. Und 2026 beginnt mit einem Lächeln aus Kyjiw.


Quellen: Berichte der GUR Ukraine, Ukrinform, Kyiv Independent, Euromaidan Press, The Moscow Times sowie russische Medien wie Pravda und Izvestia (für die Gegenperspektive).