Der Krieg in der Ukraine: Langsame russische Geländegewinne und ukrainische Schläge ins Herz der russischen Wirtschaft

Das Jahr 2025 war für die Ukraine ein Jahr harter Verteidigungskämpfe.

Der Krieg in der Ukraine: Langsame russische Geländegewinne und ukrainische Schläge ins Herz der russischen Wirtschaft
Foto: Ukrinform

Laut Analysen des unabhängigen OSINT-Projekts DeepState haben russische Truppen im vergangenen Jahr etwa 4.336 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums erobert – eine Fläche, die etwas größer ist als das Saarland und rund 0,72% der gesamten ukrainischen Landesfläche ausmacht. Insgesamt kontrolliert Russland nun etwa 116.000 Quadratkilometer (ca. 19,2%) der Ukraine, einschließlich der bereits vor 2022 annektierten Gebiete wie der Krim und Teilen des Donbass.

Diese Zahlen stammen aus ukrainischen Quellen und werden von westlichen Think Tanks wie dem Institute for the Study of War (ISW) weitgehend bestätigt, die von etwa 4.700 bis 4.800 km² russischen Zuwachses im Jahr 2025 sprechen. Russische Offizielle wie Präsident Putin oder Verteidigungsminister Belousow hingegen präsentierten höhere Zahlen – bis zu 6.000 km² oder mehr –, die jedoch als übertrieben gelten und den langsamen, aber stetigen Vormarsch kaschieren sollen.

Die Gewinne konzentrierten sich vor allem auf die Oblast Donezk (starker Zuwachs um 10,6%), während in anderen Regionen wie Cherson oder Saporischschja die Fronten stabiler blieben. Dennoch: 2025 war ein schwieriges Jahr für die ukrainischen Streitkräfte, geprägt von Personalmangel, Munitionsknappheit und intensiven russischen Angriffen mit kleinen Infiltrierungsgruppen und massivem Drohneneinsatz.

Ukraine schlägt zurück – tief ins russische Hinterland

Während Russland Zentimeter für Zentimeter auf dem Schlachtfeld gewinnt, setzt die Ukraine auf asymmetrische Kriegsführung: Langstrecken-Drohnenangriffe auf russische Öl- und Energieinfrastruktur. Diese Kampagne hat seit Sommer 2025 massiv an Intensität zugenommen und setzt sich nahtlos ins neue Jahr fort.

Besonders symbolträchtig war der Angriff in der Neujahrsnacht auf Raffinerien in der Region Samara: Drohnen trafen Anlagen in Nowokuibyschewsk und Kuibyschewsk, wie Videos und Berichte aus russischen Quellen zeigen. Solche Schläge sind Teil einer breiteren Strategie, die russische Raffineriekapazitäten systematisch zu reduzieren.

Laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) und Reuters-Analysen haben ukrainische Drohnenangriffe im Jahr 2025 zeitweise bis zu 21% der russischen Raffineriekapazitäten lahmgelegt – das entspricht über 1,4 Millionen Barrel pro Tag. Betroffen waren Dutzende Anlagen, darunter wiederholt solche in Samara, Rostow, Rjasan und anderen Regionen. Die Auswirkungen reichen bis Mitte 2026: Russland muss mehr Rohöl exportieren, verliert Einnahmen und kämpft mit lokalen Treibstoffknappheit, was die Versorgung der eigenen Armee erschwert.

Diese Angriffe finanzieren sich quasi selbst: Jede erfolgreiche Operation schwächt die russische Kriegswirtschaft, die stark von Öleinnahmen abhängt. Kyjiw signalisiert damit: Der Krieg bleibt nicht auf ukrainisches Territorium beschränkt.

Ausblick ins Jahr 2026

Der Konflikt bleibt ein zermürbender Abnutzungskrieg. Russland setzt auf Überlegenheit in Mannschaft und Artillerie, um weitere Gebiete – vor allem im Osten – zu erobern. Die Ukraine hingegen perfektioniert ihre Drohnen und hofft auf weitere westliche Unterstützung, um die russische Logistik und Wirtschaft weiter zu treffen.

Beide Seiten zahlen einen hohen Preis: Hohe Verluste, zerstörte Infrastruktur und eine Front, die sich nur schleppend verschiebt. Doch während russische Truppen teuer erkaufte Quadratkilometer gewinnen, brennen tief in Russland die Raffinerien – ein klares Zeichen, dass die Ukraine trotz aller Rückschläge keineswegs kampfunfähig ist.

Der Krieg geht weiter, und 2026 könnte entscheidend werden: Entweder durch verstärkte ukrainische Fernschläge oder durch mögliche Verhandlungen, deren Konturen noch unklar sind. Eines ist sicher – Frieden ist derzeit fern.