Das Venezuela-Dilemma: Trumps riskantes Spiel und die Schatten über der Ukraine

In der Welt der Geopolitik gibt es selten isolierte Ereignisse. Wie bei einem globalen Schachspiel kann ein Zug in Lateinamerika die Verteidigungslinien in Osteuropa ins Wanken bringen.

Das Venezuela-Dilemma: Trumps riskantes Spiel und die Schatten über der Ukraine
Symbolfoto

Die aktuelle Debatte über eine mögliche US-Operation in Venezuela unter einer erneuten Trump-Administration wirft eine brisante Frage auf: Könnte der Sturz von Nicolás Maduro den Preis für die Freiheit der Ukraine erhöhen?

​Der Fokus auf den „eigenen Hinterhof“

​Donald Trumps Außenpolitik war stets von der „America First“-Doktrin geprägt. Für viele Strategen in seinem Umfeld gilt Venezuela nicht nur als humanitäre Katastrophe, sondern als direkter Einflussbereich Chinas, Irans und vor allem Russlands in der westlichen Hemisphäre.

​Sollte Trump sich entscheiden, das Maduro-Regime mit massiverem Druck – oder gar militärischen Mitteln – zu Fall zu bringen, würde dies enorme US-Ressourcen binden. Hier liegt die Gefahr für Kyjiw:

  • Ablenkung der Aufmerksamkeit: Politische und mediale Kapazitäten in Washington sind begrenzt. Ein Konflikt in der Nachbarschaft würde die Ukraine-Hilfe zwangsläufig in den Hintergrund rücken.
  • Logistische Priorisierung: Militärische Unterstützung und Überwachungskapazitäten könnten von der Ostflanke der NATO abgezogen werden.

​Der „Grand Bargain“: Ein gefährlicher Tauschhandel?

​Die größte Sorge ukrainischer Analysten ist ein potenzieller geopolitischer Deal. In Expertenkreisen wird das Szenario eines „Einflusssphären-Tauschs“ diskutiert:

  1. Die USA erhalten freie Hand, um die Ordnung in Venezuela (und damit die Kontrolle über die größten Ölreserven der Welt) wiederherzustellen.
  2. Russland erhält im Gegenzug Zugeständnisse in der Ukraine oder eine Verringerung der westlichen Präsenz in Osteuropa.

​Ein solcher Deal würde die Souveränität der Ukraine zur Verhandlungsmasse machen – ein Albtraumszenario für Kyjiw, das auf die Unverletzlichkeit von Grenzen pocht.

​Die Öl-Gleichung

​Venezuela besitzt die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Eine Stabilisierung des Landes unter einer US-freundlichen Regierung würde den globalen Ölmarkt fluten und die Preise senken.

  • Das Ziel: Russlands Kriegskasse austrocknen, da Moskau massiv von hohen Energiepreisen abhängig ist.
  • Das Risiko: Während dieser Prozess langfristig wirkt, könnte Putin die kurzfristige Phase der Instabilität nutzen, um in der Ukraine Fakten zu schaffen, solange die USA im „venezolanischen Sumpf“ gebunden sind.

​Fazit: Ein Hochrisikospiel

​Die Verknüpfung von Caracas und Kyjiw zeigt, wie fragil das globale Gleichgewicht ist. Für die Ukraine bedeutet eine aggressivere US-Politik in Lateinamerika eine Gratwanderung: Einerseits könnte ein geschwächtes Russland (durch sinkende Ölpreise) langfristig von Vorteil sein; andererseits droht der Verlust des wichtigsten Verbündeten im hier und jetzt.

Wichtiger Aspekt: Letztlich hängt alles davon ab, ob Washington in der Lage ist, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen – oder ob die „ Monroe-Doktrin“ des 21. Jahrhunderts die Ukraine ihrem Schicksal überlässt.