China liefert Russland massenhaft Drohnen über Umweg – Neue Sanktionslücke enthüllt
Während der Westen weiter versucht, Russlands Rüstungsimporte zu stoppen, hat China einen neuen, überraschenden Kanal gefunden: Thailand.
Kyjiw/Bangkok – Laut einer aktuellen Bloomberg-Untersuchung ist das südostasiatische Land zum zentralen Transit-Hub für chinesische Kampf-Drohnen geworden, die anschließend bei der russischen Armee in der Ukraine eingesetzt werden.
Allein in den ersten elf Monaten 2025 importierte Russland aus Thailand Drohnen im Wert von 125 Millionen US-Dollar – das sind 88 Prozent aller Drohnen-Exporte Thailands und achtmal so viel wie im gesamten Vorjahr. Gleichzeitig lieferte China im selben Zeitraum Drohnen im Wert von 186 Millionen Dollar nach Thailand – praktisch die gesamte Drohnen-Einfuhr des Landes. Vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine 2022 lagen die Lieferungen aus Thailand nach Russland bei unter einer Million Dollar – und erreichten Russland gar nicht.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Hunderte Exemplare des Modells "EVO Max 4T" des chinesischen Herstellers Autel Robotics. Offiziell als zivile Drohnen deklariert, werden sie inzwischen massiv im Kampfeinsatz gegen ukrainische Stellungen verwendet. Die Lieferkette läuft über thailändische Briefkastenfirmen: So importierte die Firma Skyhub Technologies allein 25 Millionen Dollar an chinesischen Drohnen, eine weitere Firma (ursprünglich China Thai Corp.) sogar 144 Millionen Dollar. Letztere wurde im Oktober 2025 von Großbritannien mit Sanktionen belegt und hat sich danach einfach in „Lanto Global Logistics“ umbenannt.
Maria Shagina vom International Institute for Strategic Studies (IISS) kommentiert gegenüber Bloomberg trocken: „Die Länder wechseln, die Methoden bleiben gleich – Umleitung über Drittländer mit Scheinfirmen.“ Die US-Regierung schätzt, dass China ohnehin etwa 80 Prozent der dual-use-Komponenten liefert, die Russland für seinen Krieg benötigt.
Autel Robotics weist jede Kooperation mit dem russischen Militär zurück und verweist auf interne Sanktions-Compliance sowie Geofencing-Sperren, die Flüge im Ukraine-Krieg eigentlich verhindern sollen. Experten bezweifeln jedoch die Wirksamkeit dieser Maßnahmen.
Die Enthüllung zeigt einmal mehr, wie durchlässig das westliche Sanktionsregime trotz jahrelanger Bemühungen bleibt. Thailand hat seine Wirtschaftsbeziehungen zu Russland seit 2022 deutlich ausgebaut – von Rekordzahlen russischer Touristen (1,9 Millionen im letzten Jahr) über Immobilien-Investitionen bis hin zu einem neuen „Russian House“ und erweiterten Bildungsprogrammen.
Für die Ukraine bedeutet der neue Kanal eine weitere Verschärfung des Drohnenkriegs: Russland kann seine Produktion und Einsatzmengen weiter hochfahren, während der Westen nach neuen Wegen sucht, diese „Grau-Kardinal“-Routen zu unterbinden.