„Besondere Grausamkeit“: Expertenanalyse zum Raketenangriff auf Kyjiw
Nach dem ersten Tag der Friedensverhandlungen sendet Moskau ein brutales Signal: Der jüngste Angriff auf die ukrainische Hauptstadt erfolgte mit schwer abfangbaren Raketen, die ursprünglich für nukleare Sprengköpfe konzipiert wurden.
Kaum waren die Lichter im Verhandlungsraum von Abu Dhabi erloschen, heulten in Kyjiw die Sirenen. Der massive russische Angriff in der Nacht auf den 24. Januar war mehr als nur militärische Routine – er war eine kalkulierte Botschaft. Experten warnen vor den eingesetzten Waffensystemen, die eine neue Stufe der Eskalation markieren.
Während diplomatische Delegationen den ersten Tag der Friedensgespräche beendeten, setzte der Kreml auf eine Sprache, die keinen Spielraum für Interpretationen lässt: rohe Gewalt. Bei dem kombinierten Luftschlag auf die ukrainische Hauptstadt und Charkiw kamen Waffensysteme zum Einsatz, die für die ukrainische Luftabwehr ein extremes Problem darstellen.
Die „Besondere Grausamkeit“ der Ch-32
Ivan Kyrychevsky, Experte des Fachportals Defense Express, analysiert die Trümmerteile und Flugdaten. Sein Urteil: Die Wahl der Waffen zeugt von „besonderer Grausamkeit“. Besonders im Fokus steht der Marschflugkörper Ch-32.
Oft als bloßes Update der sowjetischen Ch-22 abgetan, ist die Ch-32 in Wahrheit eine technologisch völlig neue Bedrohung:
- Präzision statt Blindflug: Die alten Schwächen des Vorgängermodells wurden beseitigt. Dank modernster Elektronik findet die Rakete ihr Ziel wesentlich genauer.
- Tödliche Reichweite: Durch ein neues Treibstoffgemisch mit festen Zusätzen wurde die Reichweite von 600 auf 1.000 Kilometer fast verdoppelt.
- Totale Zerstörung: Das erschreckendste Merkmal ist der 900 Kilogramm schwere Gefechtskopf. „Wenn diese Rakete trifft“, so Kyrychevsky, „dann soll sie sicherstellen, dass nichts übrig bleibt, was man reparieren könnte.“ Sie dient nicht der Beschädigung, sondern der Auslöschung von Strukturen.
„Zirkon“: Der Schatten des Atomkriegs
Noch besorgniserregender ist der erneute Einsatz der 3M22 „Zirkon“. Diese Hyperschallrakete wurde von der Krim aus abgefeuert und legte die 1.000 Kilometer bis Kyjiw in kürzester Zeit zurück.
Der Experte weist auf ein technisches Detail hin, das vielen entgeht: Die „Zirkon“ trägt einen verhältnismäßig kleinen konventionellen Sprengkopf von nur etwa 150 Kilogramm. Für eine Rakete dieser Größe und Kosten ist das militärisch ineffizient – es sei denn, man betrachtet ihren ursprünglichen Zweck.
„Die Zirkon war von Anfang an für den Transport von Atomsprengköpfen konzipiert“, erklärt Kyrychevsky. Dass Russland diese extrem teuren und eigentlich für den nuklearen Schlagabtausch reservierten Trägersysteme nun konventionell einsetzt, ist eine Machtdemonstration, die laut dem Experten in europäischen Medien viel zu wenig Beachtung findet – sie sei gefährlicher als die viel diskutierte „Oreschnik“.
Verhandlungen unter Feuer
Der Zeitpunkt des Angriffs gilt als Schlüsselelement. Dass Moskau unmittelbar nach der ersten Gesprächsrunde in den Vereinigten Arabischen Emiraten derart zuschlägt, wird als klare Absage an echte Kompromisse gewertet. Es unterstreicht die Beobachtung, dass die russische Delegation in Abu Dhabi stark von Vertretern des Militärs dominiert war. Die Botschaft des Kremls scheint eindeutig: Wir verhandeln, aber wir werden unsere Ziele weiterhin mit militärischem Druck erzwingen.
Die Folgen vor Ort sind verheerend: In Kyjiw brachen Brände aus, am linken Dnipro-Ufer brach die Wärme- und Wasserversorgung zusammen. In Charkiw wurden ein Krankenhaus, ein Wohnheim und mehrere Wohnungen getroffen. Es ist der blutige Beweis dafür, dass der Weg zum Frieden noch weit ist – und dass Russland bereit ist, dafür seine tödlichsten konventionellen Waffen einzusetzen.
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