Amerikanische Seedrohne an türkischer Küste angespült: Hinweise auf geheimen Ukraine-Einsatz
Ein gestrandetes US-Kampfgerät an der türkischen Schwarzmeerküste legt nahe, dass Amerika im Ukraine-Krieg heimlich eine neue Generation autonomer Seedrohnen testet – oder bereits im Einsatz hat.
Ein ungewöhnlicher Fund an der türkischen Schwarzmeerküste wirft Fragen auf: Eine unbemannte Seedrohne amerikanischer Bauart wurde nahe der Stadt Ünye in der Provinz Ordu angespült – und alles deutet darauf hin, dass sie im Rahmen von Kampfmissionen der Ukraine eingesetzt wurde.
Bei dem gestrandeten Gerät handelt es sich um die Drohne des Typs AEGIR-W, die vom US-amerikanischen Rüstungsunternehmen Sierra Nevada Corporation entwickelt wurde. Darüber berichteten zunächst türkische Medien, darunter das Fachportal SavunmaSanayiST. Die türkischen Behörden ließen die Seedrohne nach einer ersten Inspektion in zwei Meilen Küstenentfernung zerstören.
Technisch ist die AEGIR-W ein beachtliches System: Das rund zehn Meter lange Unterwasser- und Oberflächenfahrzeug erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 25 Knoten – rund 46 Stundenkilometer – und kann eine Nutzlast von bis zu 300 Kilogramm transportieren. Die maximale Reichweite wird mit 900 Kilometern angegeben. Das Fahrzeug ist autonom betreibbar und damit in der Lage, Missionen ohne kontinuierliche menschliche Steuerung durchzuführen.
Dass die Ukraine das Gerät eingesetzt hat, ist nach aktuellem Stand nicht offiziell bestätigt. Das ukrainische Verteidigungsanalyseportal Defense Express weist jedoch darauf hin, dass es bislang keinerlei bekannte Berichte über eine Lieferung dieser Drohnenart an Kyjiw gegeben hat. Das lässt zwei mögliche Szenarien offen: Entweder haben die USA die Drohne im Rahmen eines bislang geheimen Hilfsprogramms an die Ukraine übergeben – oder Washington testet das System unter realen Kriegsbedingungen auf ukrainischer Seite, ohne dies öffentlich zu machen.
Letztere Möglichkeit wäre aus ukrainischer Perspektive durchaus ambivalent zu bewerten. Einerseits würde ein US-Engagement beim Seekrieg die ukrainischen Fähigkeiten stärken. Andererseits, so Defense Express, könnten die USA durch den Einsatz der AEGIR-W im Kriegsgebiet wertvolle Erfahrungen sammeln und das System anschließend auf dem Weltmarkt als direkte Konkurrenz zu ukrainischen Eigenentwicklungen wie der Magura-V7 positionieren. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten erheblich in den Export ihrer Seedrohnen investiert und entsprechende Partnerschaften in der Golfregion geschlossen.
Nicht ausgeschlossen ist laut Defense Express auch ein drittes Szenario: dass die AEGIR-W in enger Zusammenarbeit zwischen US-amerikanischen und ukrainischen Ingenieuren entwickelt wurde und es sich damit um ein gemeinsames Produkt handelt.
Die Ukraine hat mit ihren Seedrohnen – vor allem der Magura-Serie – in den vergangenen Jahren erhebliche Erfolge gegen die russische Schwarzmeerflotte erzielt und dabei mehrere Kriegsschiffe versenkt oder beschädigt. Der jüngste Fund zeigt, dass die maritime Drohnenkomponente des Krieges zunehmend komplexer und international vernetzter wird.